Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 10)
- Language
- German
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Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833 297 als Grundgesetz der Moral und als religiöses Gesetz auf. Es macht Fleiß und Arbeitsamkeit zur unablässigen Pflicht; der Ackerbau war der Grundstein des jüdischen Staates. Die Lehre von dem Messias' hat sich erst nach der mosaischen Gesetzgebung ausgebildet. Es gibt kein jüdisches Zeremonialgesetz, dessen strenge Beobachtung das Interesse des Staates gefährdet. Die Religion ist der innerste Kern des jüdischen Lebens. Mithin ist die Emanzipation der Juden der Ausdruck dafür, daß ihre Besonderheit nicht dem Staate hemmend entgegentritt, vielmehr seine erhöhte Lebenstätigkeit befördert. Das aber ist die Basis für den Judenhaß: die Freude des rohen Naturtriebes, sich vor andern bevorrechtet, und in der Zurücksetzung eines andern die eigene Erhebung, und die Erhöhung des eigenen Wertes zu wissen. Deshalb sind die Provinzialstände als ein unzuverlässiges Organ der öffentlichen Meinung anzusehen. — ־— Im zweiten Teil seiner Schrift reiht Joel Jacoby seine Ausführungen in den geschichtlichen Zusammenhang, indem er sow^ohl von Christian Wilhelm Dohm als auch von Gabriel Rießer eine Abhandlung wiederabdruckt. Das Auf und Ab im Schicksal der Emanzipation, die Einheitlichkeit in der Entwicklung ihrer Idee wird dadurch klargestellt. Rießer erscheint als der Fortsetzer und Vollstrecker Dohms. ,,Seine Schriften“, sagt Joel Jacoby schön, ,,sind nicht wie die Kinder, welche die Hände ausstrecken, sondern ־wie die Männer, welche einen Arm und ein Recht haben“. Joel Jacobys Schrift ist ebenso gedankenreich wie stilistisch reizvoll. Pathos und Ironie stehen ihm mühelos zu Gebote. Er entwirft gewissermaßen ein Selbstporträt, wenn er ausruft: ,,Ist der Jude nicht seit Jahrhunderten mindestens Europäer und. teilt er nicht die Richtung des Weltteils? Geht der europäische Schmerz nicht durch seine Brust und ist er nicht ein Kind seiner Zeit, beweglich und leidenschaftlich wie sie? Wo also die Möglichkeit für eine nationale Sitte und Gesinnung, wo ihre Aeußerung?“ Joel Jacoby war eine problematische Natur, die nur auf Grund *der tragischen Schicksalslage einer Uebergangszeit verstündlich wird. Er vermochte den Zwiespalt seines Wesens nicht zu lösen und fand weder die Entsagung noch den Seelenfrieden, den Jost sich erkämpft hatte. Dennoch weisen die Ausführungen