Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 9)
- Language
- German
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296 Fritz Friedlaender das jüdische Minderwertigkeitsgefühl, in' welcher er ähnlich wie Heinrich Heine unterlag, zerriß ihm Leben und Dichten. Im gleichen Jahre 1833 gab er seine ,,Bilder und. Zustände in Berlin" heraus. Die geistreiche politische Essaysammlung enthält unter anderem ein Kapitel über die Juden. Darin beschwört er die Figur des Ahasver, um die Unlösbarkeit des Judenproblems zu versinnbildlichen. Diese tragische Melodie wird verstärkt durch den Hinweis auf die wirtschaftliche Boykottierung, die die bedürftigen Juden durch die christliche Umwelt erleiden. Es sind Vorklänge zu seiner Gegenschrift wider Streckfuß, die unter dem Titel ״Ueber das Verhältnis der Juden zum Staate" 1833 erschien. Im nächsten Jahre folgte unter Hinzufügung eines bedeutsamen Vorworts die zweite Auflage mit dem veränderten Titel ,,Zur Kenntnis der jüdischen Verhältnisse".. Sehen wir zu, welche Einwendungen sie erhebt! Der frühere . Glaubenshaß gegen die Juden ist jetzt durch materielle Mißgunst ersetzt. Urquell der Gesetzgebung muß die Humanität sein. Ist die Emanzipation des diesseitigen Menschen und die Anerkennung seines irdischen Wertes erreicht, so kann schon hinnieden das Reich der Wollendung und Vollkommenheit errichtet werden. Die Idee des Christentums ist die Verleugnung des diesseitigen Menschen. Im Verlauf der Geschichte setzte sich die Anerkennung der Selbständigkeit der irdischen Verhältnisse allmählich durch. Mithin kann es einen christlichen Staat, wie Streckfuß meint, nicht geben. Das Christentum des Staates besteht darin, in der Verschiedenheit der Religion keine ausschließende Bestimmung für die Verhältnisse der Staatsmit-, bürger zu finden. Die Sittlichkeit des Staates ist nicht identisch mit der christlichen. Die Juden stehen in keinem besonderen Verhältnis zu den christlichen Staaten, weil sie ein wesentlicher Teil ־des Ganzen, weil sie Staatsmitbürger geworden sind. Als die Christen anfingen, sich auf;der Erde zu emanzipieren, ging es den Juden besser. Die sondernde und ausschließende Gesetzgebung hat die öffentliche Meinung irregeleitet. Es gibt keine jüdische Nation, welche sich im Gegensatz zur deutschen geltend macht. Das Judentum verlangt,;daß seine Bekenner das Land, in welchem isie wohnen, als ihr Vaterland betrachten. Das Judentum stellt außerdem die Menschenliebe