Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 8)
- Language
- German
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Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833 295 Achtung gebietet, und jeder voreiligen Anschuldigung die Stirn bieten darf. Streckfuß ׳ Widersprüche sind offensichtlich, sind legislatorische Verirrungen. Denn warum soll die Zwei-Klassen- Teilung nur für die Juden durchgeführt werden? Die Aufteilung der Berufe auf zwei Klassen ist praktisch undurchführbar. Die körperliche Arbeit ist bei den Juden ebenso wenig verpönt wie die gewissenhafte Erfüllung der Staatsbürgerpflicht, welcher das mosaische Gesetz nicht im Wege stehe. Zweierlei fordere die Emanzipation: unbedingte bürgerliche Freiheit und unbedingte Freiheit der Religionsübung. Diejenigen aber, welche die Juden als persönlich Verworfene oder Verwerfliche schildern, sind freilich ihre Feinde, — sie sind aber noch mehr Feinde des Jahrhunderts, Feinde der Menschheit, Feinde ihrer selbst, da sie ihren eigenen Geist der Verachtung preisgeben!- Jost war ein Moralist von hohen Graden. Seine sittliche Vornehmheit, die Wärme, seines Herzens wirkten überzeugend. Namentlich die Ritterlichkeit seiner Kampfesweise fand weitgehende Zustimmung. Nun tauchte neben dem Geschichts- Schreiber ein Dichter auf. Es war Joel Jacoby, der einstige glühende Bekenner des jüdischen Glaubens. Sicherlich war er eine tief angelegte Natur, ein Mystiker, der bisweilen mit der Logik auf dem Kriegsfuß stand, ein Impressionist, der jeder Eingebung nur zu bereitwillig nachgab. Aufklärung, Romantik und jungdeutscher Positivismus kreuzten sich in ihm und schossen zu einer proteischen Geistigkeit ineinander. Der vielgeschmähten ,,Berliner Religion“ der Aufklärung scheint er nahe zu stehen, wenn er einmal erklärt, daß die Sage der Alten von der einst kommenden goldenen Zeit, der Messias der Juden, Kants ewiger Friede ihm Vergegenwärtigung der christlichen Seligkeitslehre auf Erden und Zielpunkt aller geschichtlichen Entwicklungen bedeutet. Dagegen erscheint der Stil seiner ״Klagen eines Juden“ mit ihrer dunklen Bildersprache von der romantischen Gefühlspoesie abhängig. Dem jungen Deutschland steht er nahe durch seine metaphysische Einstellung, die eine Abkehr vom Himmel und eine Rückkehr zur Erde predigt. In der Rolle eines politischen Publizisten bewährt er sich als jungdeutscher Zeitsatiriker; hierin ein Vorläufer Maximilian Hardens. Die seelische Schlacht wider