Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1934-01-01 · Heft 2 · p. Seite 293

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
78 (1934)
Issue
Heft 2
Article
Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833
Date
1934-01-01
Page
Seite 293 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829999-2830002-2838770--52706-2838837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833 293 Kultus ist schwierig und bedenklich. Auf wirksame Weise können lästige jüdische Eigentümlichkeiten beseitigt werden: durch den Militärdienst sowie durch die Ausbildung jüdischer Handwerker in christlichen Lehrstellen. Die Zusammenschließung der Juden in einem Korporationsverband kann die Absonderung bedenklich begünstigen.- Schlägt man die Zeitungen jener Zeit auf, so gewahrt man mit Staunen, welche lebhafte Anteilnahme die Oeffentlichkeit an Streckfuß* Vorschlägen nahm. Streckfuß war ein hoher Funk״ tionär der preußischen Staatsregierung; das gab seinen Ausführungen offizielles Gewicht. Die preußischen Juden erkannten sehr wohl, daß Streckfuß die Axt an die Wurzel ihrer Staatsbürgerliehen Existenz gelegt hatte. Zur Verteidigung trat eine Reihe der besten deutschen Juden in die Schranken. Als erster schritt Isaak Markus Jost zur Gegenwehr. Jost ist der erste neuere Geschichtsschreiber der Juden, der Vorgänger von Graetz und Dubnow, zu denen er sich etwa in demselben Verhältnis befindet, wie Heeren oder Johannes von Müller zu der kritischen Richtung eines Niebuhr und Ranke. Israel Jacobson ließ Jost in Göttingen studieren, wobei das ungewöhnliche Sprachtalent des jungen Gelehrten sich entfaltete, und ebnete ihm 1814 den Boden in Berlin. Hier übernahm Jost die Leitung einer Privatschule, die er infolge seiner erzieherischen Begabung zu einer gesuchten Anstalt machte. Am gleichen Ort gedieh sein Lebenswerk, die umfangreiche Geschichte der Israeliten. Die Wirkung, die das Werk auf die Ausbreitung der kultureilen Emanzipation ausübte, wiegt schwerer als sein Wissenschaftiicher Gehalt im einzelnen. In jener Hinsicht ist Josts Geschichtswerk eine Leistung von bleibendem Wert. Jetzt — 1833 — zwei Jahre, bevor er nach Frankfurt a. M. an das Philanthropin ging, bot das Geschick ihm die Gelegenheit, sein Ansehen für die bedrohten Glaubensgenossen einzusetzen. Er tat es in einem ,,Offenen Sendschreiben an Herrn Geh. Oberregierungsrat K. Streckfuß zur Verständigung über einige Punkte in den Verhältnissen der Juden“. Was wußte er Streckfuß zu erwidern? Streckfuß ist eine hochachtbare Persönlichkeit, deren Offenheit und Redlichkeit unantastbar sind. Eine öffentliche, ruhige

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.