Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 291 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829999-2830002-2838770--52704-2838835- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Der Kampf um die preußische Judenemanzipation im Jahre 1833 291 sprünglich jüdischen Abkunft des Vorkämpfers der bürgerlich« radikalen Demokratie Deutschlands keinen Anstoß genommen. Wie verträgt sich das mit seiner literarischen Ansicht? Zu« nächst ist zu bemerken, daß Koch nicht nur ein aufrechter, sondern auch ein schroffer Charakter war, der menschenfreundlichen Regungen das Herz verschloß. Dies war wohl eine Folge seines Lebensgangs. Der Sohn eines armseligen Tagelöhners, hatte sich mit stählerner Willenskraft den Weg gebahnt. Der Lebenskampf hatte ihn gehärtet, aber auch lieblos gegen seine Mitmenschen gemacht. Außerdem waren damals weite Kreise des Liberalismus den Juden wenig freundlich gesinnt. Nicht zufällig hatte Gabriel Rießer seine junge Kraft an Karl von Rotteck, einem führenden Kopf der deutschen liberalen Bewegung erproben müssen. Koch.,, der Mann der wissenschaftlich stetigen Entwicklung, empfand diesen ungestümen Kampfesmut als eine Anmaßung. Deshalb goß er in seinem Buche die volle Schale seines Zornes über Rießer aus, leider in einer Weise, die seiner Persönlichkeit schlechthin unwürdig war. Christian Friedrich Koch hatte nur die Rechtszustände der preußischen Juden zergliedert. Diese Rechtslage bedurfte dringend einer Revision. Es war Karl Streckfuß, der sich dieser Aufgabe unterzog. Auch er war eine Persönlichkeit von Format. Von Haus aus war er Jurist, seine eigentliche Neigung gehörte aber den Musen. In seiner Jugend gab ein längerer Aufenthalt in T r i e s t ihm die Veranlassung, tief in die literarische Kultur der i t a 1 i e - nischen Renaissance einzudringen. Die ansprechendste Frucht seiner Bemühungen bildete seine Uebersetzung von Dantes Göttlicher Komödie, mit welcher kein geringerer als Goethe die deutsche Lesewelt bekanntmachte. Dagegen konnte Streckfuß mit seinen eigenen Dichtungen keine Lorbeeren einheimsen. Um so glänzender gestaltete sich seine amtliche Laufbahn. Zuerst sächsischer Regierungsbeamter, trat er 1815 in den preußischen Staatsdienst. Er wurde zum Geheimen Oberregierungsrat befördert und schließlich zum Mitglied des preußischen Staatsrats ernannt, als er 1840 aus dem aktiven Dienst schied. Aus seiner hohen amtlichen Stellung ergab es sich, daß die Mitwelt — insbesondere die jüdische — aufhorchte, als er, angeregt durch die 19*