Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 4)
- Language
- German
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276 M. Gaster und B. Heller beiden obengenannten Personen in der Salomo-Sage überein. Man ist daher berechtigt anzunehmen, daß die älteste Quelle hier in unserer jüdischen Erzählung zu finden ist. Wie die Salomo- Sage nach Indien gekommen ist, ist eine andere Frage. Auch ist dies nicht die einzige. Vgl. Gaster, Exempla of the Rabbis, London 1924, Nr. 111 und die dort angegebene Literatur, aus der ersichtlich wird, daß diese Geschichte sich häufig in anderen Midraschim wiederfindet, auch bei Zunz, Gottesdienstliche Vorträge S. 152 und Cod. de Rossi, 563 f. 135 b—136 a; auch auf Benfey Pantschat. I. p. 436 S. 186 wäre zu verweisen. Wie oben bemerkt, läßt sich eine ziemlich genaue Parallele zwischen Vikramaditya und König Salomo hersteilen. Man war bisher — so besonders Reinhold Köhler — der bestimmten Ansicht, daß wir es hier mit einer Erzählung zu tun haben, die indischen Ursprungs ist und sich von dort — wie so viele andere — nach dem Westen verbreitet haben. Es ist aber doch nicht ausgeschlossen, daß manches vom Westen nach Indien hinübergeflossen ist und dort in derselben Weise wie im Westen Volksgut geworden ist. Einen Hinweis darauf enthält vielleicht die Apostellegende von Thomas, dem Apostel von Indien (Hennecke, Neutestamentliche Apokryphen 2. Aufl. S. 258 ff.). Es wird nämlich erzählt, daß, als Thomas nach Indien kam und dort vor einer großen Versammlung seine Reden hielt, ihn kein Mensch verstand, denn er sprach hebräisch oder aramäisch. Unter den Zuhörern befand sich aber auch eine Jüdin, eine junge Lauten- Spielerin, die verstand seine Sprache, redete ihn auch in der alten Heimatsprache an und übersetzte und erklärte den anderen die Reden des hl. Thomas. Auf dem Wege, den die Lautenspielerin genommen hat, um von Palästina über Babylonien nach Indien zu kommen und dort ihre Kunst zu zeigen, auf demselben Wege könnten auch Legenden und Sagen nach Indien gekommen sein, und gerade von einer Lautenspielerin könnten sie dorthin.gebracht worden sein; denn sie wird sich wohl nicht damit begnügt haben, die Laute zu spielen, sondern, wie es häufig der Fall ist, wird das Spiel eine Erzählung, ein Märchen, eine Legende begleitet haben. Die Geschichte der Sagen von Westen nach Osten ist dadurch erschwert worden, weil man seit Benfey vielfach die Ansicht geteilt hat, daß in Indien der Ursprung aller dieser Er-