Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 275 (sequence 3)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde 275 und sagte: ״Du, der du jenes Geld nicht einmal gesehen hast und schon lüstern bist, nur du kannst dieses Geld auch an dich gebracht haben/' Erließ ihn daher züchtigen, und er gestand es ein. Ein wenig abweichend ist die Darstellung in dem Maase Nissim. Dort schickt die Frau ihren Mann zum Jüngling, um durch Geld den Schwur zu lösen; die drei Kaufleute geben auf die letzte Frage Salomons eine etwas abweichende Antwort. Der erste lobt den Mann, der mit der Frau ging, ihren Schwur zu lösen. Der zweite lobte die Jungfrau, die ihrem Schwure treu blieb, und der dritte lobte den Jüngling, der das angebotene Geld ausgeschlagen hat. Die Darstellung im Midrasch Dekalog ist jedoch offenbar die ursprünglichere und lehnt sich auch näher an die Reihe ähnlicher Erzählungen aus der orientalischen Literatur an. Vgl. Hellvic, Jüd. Historien I, Giessen 1617. S. 150—59, Nr. 37, ״von dreyen Brüdern und einer Kisten mit Geld“ Maase Buch K. 122. Im Anschluß an Campbell, Gälische Sagen Nr. 19 hat R. Köhler (Orient und Occident II, wiederabgedruckt in Kleinere Schriften I, S. 214 ff.) diese Erzählung ausführlich behandelt. Er hat ihr Vorkommen bei Radloff 3, 389, in 1001 Nacht, 40 Vezieren, Papageienmärchen, Baital Pachisi und vielen anderen orientalischen und occidentalischen Erzählungen nachgewiesen u. a. auch bei Boccacio, Decamerone X, 5. Es ist überflüssig alle Parallelstellen anzuführen, da sie ziemlich vollständig bei Köhler a. a. O. angegeben sind. Die wichtigste ist aber die Quelle in der indischen Sammlung ״Vetalapancavincati“, deren Hindubearbeitung Oesterley unter dem Titel ,,Baital Pachisi“ deutsch herausgegeben hat. In dieser Sammlung stimmt Nr. 9 S. 86—89 mit der bei uns eingeschalteten Erzählung fast ganz überein, und die Fragen, die Salomo an die drei Wanderer richtet, werden hier von Vetala an den ihn tragenden König gestellt, um ihn zum Sprechen zu bewegen. Dieses wurde dann zu unserer Rahmenerzählung erweitert. Hier haben wir aber wieder eine Parallele zu einer anderen Salomo-Sage und zwar zu der Sage von Salomo und Asmodai, und es ist wichtig, die Frage aufzuwerfen, ob die Erzählung indischen oder jüdischen Ursprunges ist. Die Rolle, die hier der König Salomo und dort der Vetala spielt, stimmt mit der der 18*