Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 274 (sequence 2)
- Language
- German
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274 M. Gaster und B. Heller ed. Amsterd, fol. 38 a—b, aber nur in. verkürzter Gestalt. Es wird nämlich erzählt: Drei Männer reisten zusammen. Da sie das Geld am Sonnabend nicht bei sich behalten wollten, kamen sie Freitag überein, es an einer sicheren Stelle zu verbergen. Einer von ihnen jedoch entwendete es; als die anderen das Geld vermißten, beschuldigte einer den anderen des Diebstahls, und so kamen sie vor Salomo, daß er ihren Prozeß schlichtete. Salomo, der, wenn er sie schwören lassen wollte, überzeugt• war, daß einer von ihnen falsch schwören würde, verfiel auf eine List und erzählte ihnen eine Geschichte, die sie selbst beurteilen sollten. Ein Knabe und ein Mädchen wuchsen miteinander auf und liebten sich gegenseitig. Eines Tages sagte der Knabe zu dem Mädchen: ״Schwöre mir, daß du mich heiraten wirst, oder wenn du mit einem Anderen verlobt werden solltest, ihm nicht Gehör geben wirst, ehe du mich aufgesucht hast". Das Mädchen schwur es ihm zu. Nach einiger Zeit wurde sie von ihren Eltern einem Anderen angetraut. Unmittelbar nach der Trauung sagte sie dem Manne, daß sie dem Freunde zugeschworen habe, von ihm erst die Erlaubnis zu erhalten, mit ihrem Manne als Frau zu leben. Sie nahm daher Geld mit, ging zu dem Jugendfreunde und bot es ihm an, daß er sie freilasse. Dieser aber, gerührt von ihrer Treue, schlug das Geld aus, entband sie von ihrem Schwur und entließ sie. Auf dem Wege jedoch, da sie ihren Hochzeitsschmuck noch anhatte, wurde sie von einem Räuber ergriffen, der ihr den Schmuck wegnehmen und sie zu seinem Willen zwingen wollte. Das Mädchen erzählte ihm aber die ganze Geschichte. Da überlegte der Räuber und sagte: ״Wenn der junge Mann, der in der Blüte seiner Kraft steht, sich bezwingen und seine Begierde unterdrücken konnte, warum nicht auch ich, der ich alt und dem Grabe nahe bin?", gab ihr all das Geraubte wieder und entließ sie mit ihrem Manne, der sie begleitet hatte. — ״Jetzt", fuhr Salomo fort, ״schickt der König von Rom zu mir und fragt mich, welcher von den Dreien am meisten zu loben sei? Sagt ihr euer Urteil." Der erste lobte das Mädchen, daß sie ihrem Schwure so treu blieb, der zweite den Jüngling, der sich bezwang und sie freiließ, der dritte aber den Räuber, der sich einen solchen Schatz so leichten Kaufes entgehen ließ. An dieser Antwort erkannte Salomo den Dieb