Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einige Schriften zu biblischen Problemen [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 264 (sequence 8)
- Language
- German
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264 Mas Wiener Und allen Anhängern der kritischen These Unbekanntschaft mit dem Geist der hebräischen Sprache vorzuwerfen, das heißt doch einen Verdammungsspruch über viele gut jüdische Gelehrte fällen, denen die hebräische Sprache von Kindesbeinen an geläufig war oder ist. Warum die Weltanschauung in die Philologie hineinwirren? — Übrigens nützt das, was er positiv über die Ideen der Propheten bringt, gründlich die Forschungen der als Ignoranten geschmähten Kritiker. Von unserem Standpunkte aus ein Lob. Man hätte nur wünschen mögen, daß die differenzierende Charakteristik der prophetischen Persönlichkeiten mehr in die Tiefe gegangen wäre. Das Beste an der Schrift ist der lebhafte eindrucks volle Ton, was — wie angedeutet — auch nicht ohne Kehrseite bleibt. Trotz allem wird die Absicht des Verfassers erfüllt, das religiöse Gefühl und den enthusiastischen Schwung in ihrer Ewigkeitsbedeutung festzuhalten und für heutige Leser fruchtbar zu machen. Ein wichtiges Spezialproblem der prophetischen Theologie behandelt Friedrich Weinrich: ״D er religiösutopische Charakter der ,prophetischen Politik“׳‘. (Aus der Welt der Religion. Biblische Reihe. Heft 7. 1932. Verlag Alfred Töpelmann, Gießen). Der von W. verfochtenen These, daß die ,,prophetische Politik“, ihr Eingreifen und Hineinreden in die großen nationalen und internationalen Bewegungen ihrer Zeit, lediglich absolut-religiösen Motiven entstammt, und daß da weitläufig praktische und Klugheitserwägungen überhaupt nicht in Frage kommen, möchte man unbedingt zustimmen. Nur hätte der Verfasser diese richtige Annahme nicht gleichsam dogmatisieren sollen, indem er in jedem Einzelfall des prophetischen Eingreifens die Utopie auf seiten des Propheten und damit die praktisch-küWe Vernunft stets auf seiten seiner weltlichen Gegenspieler, der Könige und der Großen, sein läßt. Im Falle des syrisch-ephraimitischen Krieges, der Neigung Judas zu Ägypten hin nach dem Sturze von Asdod, rät Jesaja offenbar das objektiv Vernünftige, wenn auch nicht aus objektiv-vernünftigen, sondern wie immer aus religiösen, also utopischen Motiven. Ähnlich verhält es sich mit der probaby- Ionischen Haltung des Jeremia. Der Utopismus der Propheten bedeutet nicht die politische Unfehlbarkeit ihrer Gegner, die