Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 78 (1934)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Einige Schriften zu biblischen Problemen [Rezension]
- Date
- 1934-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
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258 Max Wiener die anscheinend inhaltlich ganz zusammenhanglosen Richtergeschichten sich an dem.Faden der lokalen Traditionen aufreihen lassen. So nahe um diese Auskunft für die Genesisberichte liegt, so schwierig ist es, dem־ Verfasser zu glauben, daß das Mittel auch für das Richterbuch verfängt, wo doch andere Einigungsprinzipien wirksam zu sein scheinen. Noch folgenreicher ist die Ausdehnung dieser Hypothese auf die zentrale Gestalt des Mose. Auerbach ist bemüht, seinen Stammbaum abwärts bis auf den in der 6. Generation dem ersten Volksführer entsprossenen Ebjatar hinzuleiten. So soll sich die zentrale Bedeutung, die Mose als eigentlicher- Stifter von Volk und Religion von Anfang an in der Tradition hat, aus der relativ zufälligen Tatsache erklären, daß sein später Urenkel ihm die Geschichte geschrieben hat, ähnlich wie dem Achill in Homer der große Sänger erstanden ist. Es soll hier nicht kritisch auf Einzelheiten eingegangen werden. Nur die psychologische Hauptschwierigkeit sei berührt. Einmal wird Ebjatar als der Geschichtsschreiber der ersten Könige mit hohem Lobe für die wahrhaft objektive, klare, nüchterne und dabei wirklich überschauende Weise seiner Erzählung bedacht; und das von Rechts wegen. Die Würdigung dieses Werkes, das in seiner gewaltigen Kunst wohl zuerst von Eduard Meyer anerkannt worden ist, gehört zu den bestgelungenen Teilen von Auerbachs Buch. Aber gerade diesem ersten großen Historiker der Menschheitsgeschichte, der 600 Jahre vor den Griechen, ihnen ebenbürtig, ohne Vorbild Geschichte schrieb, die auf ganz anderer Ebene der Wirklichkeitsbetrachtung liegenden Stücke des Pentateuch und des Richterbuches zuzuweisen, wird man sich doch nicht entschließen können. Aber mag das ein Irrtum, mag selbst ein strikter Nachweis für die Autorschaft der Königsgeschichten nicht zu führen sein: indem jedenfalls die mit den Ereignissen fast gleichzeitige Niederschrift höchst wahrscheinlich gemacht wird, ergießt sich ein volles Licht auf die Zeit eines Volkes, in der man bereits so das eigene Leben beschreiben konnte. Auerbach erwirbt sich ein großes Verdienst, indem er mit gewichtigen Gründen die Ansicht derer unterstützt, welche den Beginn einer zuverlässigen Tradition, damit zugleich aber die Herrschaft einer hohen geistigen Kultur in viel frühere Zeiten hinaufrückt, als es der Kritik von gestern