Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zwei jüdische Ärzte
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 451 (sequence 5)
- Language
- German
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Zwei jüdische Ärzte 451 er (Hayum Jacob) allerhand commercien. Er habe aber niemals einen offenen Laden geführt, noch sonst irgend ein Gewerbe betrieben, sondern da je etwan, entweder, gleichsam nur für Übergang, einigen sonst jedermann erlaubten Gewinn zu schöpfen Gelegenheit gehabt, oder auch leere und unbebaute oder übel und schlecht bebaute Plätze zu erhandeln und mit schönen Gebauen ansehnlich zu machen getrachtet. Er habe zwar hiervon einigen Nutzen gezogen, jedoch aber auch zugleich der Stadt eine sonderbare Zierde und Ansehen dadurch zu erwirken gesucht. Unter Bezugnahme auf seine bereits erwähnte aufopfernde, uneigennützige Tätigkeit im Pestjahr glaubt er, 10, ja 20 mal mehr, als das praetendirende Wacht- und Frongeld austrüge, verdient zu haben. ,,Geschweige, daß verhoffentlieh niemand sich unterfangen wird zu behaupten, daß ein mit gewöhnlichen diplomatibus doctoralibus versehener promotus D1\ med^! et practicus ordinarius zu dergl. extraordinari Beschwerden gegen alle denselben bekanntlich im ganzen Reich competirenden beneficia angestrengt werden müsse.“ Mit dem Hinweise auf die gleiche, ihm vom NassaU'-Hadamarschen Hof bewilligte Vergünstigung schließt die Rechtfertigung. Die hierauf erfolgte Gegenäußerung des Stadtra.ts ist infern aufschlußreich, als sie nicht nur Hayum Jacobs Tätigkeit vom Standpunkt der Gegenseite aus beleuchtet, sondern auch die Gesinnung der Stadtverwaltung gegenüber der Judenschaft hemmungslos zum Ausdruck bringt. Vom Bewußtsein durchdrungen, daß der Wortlaut des Vertrags von 1679 zu ihren Gunsten sprach, berichteten die Stadtväter an I. C. D.: Obwohl Hayum Jacob, wie er sich rühmt, promovirter Dr. med. ist, so ist er doch kein bestellter Ordinarius, sondern dient denjenigen, so seiner begehren, um ihr Geld. Inmittelst unterläßt er aber nicht, seine Nahrung auch in der Handlung, wo und wann ihm etwas ansteht, zu suchen und (auch zuweilen mit Verwahrlosung und großer Ungelegenheit seiner Patienten) denselben nachzureisen, wie er in seiner Schrift selbst zugibt. Obwohl er keinen Laden hält, folgt daraus nicht, daß er keinen Handel mit Wein, Pretiosis, Pferden u. a. getrieben hat. Was das Hausbauen betrifft, so ist nicht ohne, daß solche der Stadt eine Zierde geben. Unterdessen zeucht er daraus den besten Nutzen, indem er von anderen Juden 29'