Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zwei jüdische Ärzte
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 449 (sequence 3)
- Language
- German
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Zwei jüdische Ärzte 449 und kann allenfalls dargetan werden, daß ich bei den einige Jahre hervor gewesenen Pest־ und allerhand gefährlichen Krankheiten gar vielen, ja etzlich hunderten, sowohl armen bresthaften Mann־ heimer Bürgern und Beisaßen als Soldaten mit Hilf und Rat umsonst und ohne Zahlung des geringsten Hellers beigesprungen“. Hayum bezieht sich hier offenbar auf die Pest, die im Sommer ±666 schrecklich wütete und die Stadt entvölkerte und die er wohl nach seiner Promotion in Padua, als eben mit seinen Studien fertig gewordener Arzt, bekämpfen half. Sein Aufenthalt in Mannheim war damals nur vorübergehend. Er kehrte wieder in sein Heimatstädtchen Hadamar (Nassau) zurück, wo er unter dem Schutze des hochfürstlichen Nassau-Hadamarschen Hofes ,,ruhiglich und unbeeinträchtigt“ die aus seiner doctoralischen promotion competirenden beneficia genießen durfte. Erst 1674 bat er den Mannheimer Stadtrat um ein Vorschreiben (Empfehlung) an die kurfürstliche Kanzlei, ,,daß er angelobt, sich an hiesiger Statt zu setzen, ein Hauß za erbauen und der gnädigst erteilten Concession gemäß zu leben“* 1. Sein Vater und drei Brüder hatten schon früher das Niederlassungsrecht in der Stadt erworben und sich als rührige Geschäftsleute Geltung und in der Judengemeinde Ansehen verschafft2. Auch der Judendoktor Hayum erwarb sich als Arzt einen guten Namen. Sogar der Stadtrat, mit dem er manchen Strauß auszufechten hatte, mußte nach Hayums Tod bekennen, er habe ״sowohl den Christen als Juden gute Dienste getan, dergestalten daß unseres Orts darwider nichts einzuwenden sein wird“. Als Kurfürst Karl Ludwig 1680 in Padua den gradum doctoralem exlangt habe (Archiv d. TJniv. Hbg.: med. Fac. III, 4a Nr. 13). Und was Hayums ältesten Sohn Abraham betrifft, so hat Kober (Jüd. Studenten u. Doktoranden der Universität Duisburg im 18. Jahrhundert, MGWJ 75, S. 118) ermittelt, daß Abraham Heimans ,,Hehraeus ex Mannheim“'am 18. April 1698 in der medizinischen Fakultät der Universität Gießen immatrikuliert wurde. Den Doktorgrad hatte er, ebenfalls nach den Angaben seines Bruders Elkan (Archiv d. Univ. Hbg. a. a. O.), auch in Padua erworben. Über Dr. Elkan Isaak Wolff berichtete Felsenthal nachträglich im Isr. Gemeindeblatt Mannheim (1933 Nr. 2). 1 MRP 1674, S. 97. 2 Ihre Nachkommen, die den Unterscheidungsnamen Hachenburg führten, leben heute noch in Mannheim. Zu ihnen zählt der bekannte Jurist gleichen Namens. Monatsschrift 77. Jahrgang 29