Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 433 (sequence 3)
- Language
- German
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Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde 433 Ebenso erzählt es auch das große Passionale-Maßmann S. 588. Die Quelle aber blieb ihnen allen unbekannt; aber im Talmud und Midrasch wird auch diese Episode mitgeteilt, daß Mütter ihre Kinder schlachteten und sie verzehrten1. 2. Gottes Siegel. Don Juan Manuel beginnt seinen ,,Prologo" zum ,,conde Lucanor mit folgenden Worten: ,,Unter vielen wunderbaren Dingen, die unser Herrgott geschaffen, ist eines doch das wunder״ barste, das menschliche Gesicht nämlich; denn mögen noch so viele Menschen in der Welt existieren, sehen sie sich doch einander nicht gleich, obzwar das Gesicht eines jeden Menschen aus den״ selben Teilen besteht, sind diese Teile doch von einander unter״ schieden". (Pag. 1 ed. Stuttgart 1839.) Ähnlich lautet die Stelle im Talmud (Sanhedrin 38a u. Jalkut I. § 15, S. 4 b), wo die Frage beantwortet wird, warum Gott nur einen Urmenschen geschaffen habe. Gott habe deshalb nur einen Menschen geschaffen, um seine Größe zu zeigen. Denn ein Mensch vermag mit einem Stempel nur ein Gesicht den von ihm geschlagenen Münzen aufzuprägen, Gott aber drücke jedem Menschen nur den einen, schon Adam aufgedrückten Siegel auf, und doch unterscheidet sich jedes Gesicht vom anderen. להגיד .גדולתו של הכךבהז שאדם טובע כמה כטבעות בחותם אחד וכולם דומין זה לזה, והק״בד. טובע כל אדם בחותמו של אדם הראשון ׳ואין אחד דומה לחבירו. Der Talmud erklärt aber auch die Notwendigkeit der Verschiedenheit im Gesichtsausdrucke, damit die Männer ihre Weiber von anderen unterscheiden können, und ebenso umgekehrt, s. Aboth de R. Nathan § 4 gegen Ende שאלמלא לא שינה הק״בה מראה פנים זה מזה לא היו בנות ישראל מכירות את בעליהן ואין.הזכרים מכירין את נשותיהן u. Tosefta Sanhedr. VIII. 6. ed. Zuckermandel p. 427 i. 1 Herr Prof. B. Heller macht auf Josephus als Quelle beider Schilderungen aufmerksam. Dieser erzählt, wie er, in römische Gefangen- Schaft geraten, die Gunst des Feldherrn Vespasian dadurch gewinnt, daß er ihm vorausverkündet, er werde zum Kaiser gewählt werden, und seine Glaubwürdigkeit damit bekräftigt, daß er auch den Fall Jotapatas vor^ ausgesagt habe (Bellum III 400 ff.). Das verzweifelte Elend im belagerten Jerusalem schildert Josephus (VI 201 ff.) an dem Beispiel der Maria, Tochter Eleazars, die ihr Knäblein schlachtet, brät, zur Hälfte verzehrt, die andere Hälfte ihren Spähern anbietet. Monatsschrift, 77. Jahrgang 28