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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 6 · p. Seite 432

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 6
Article
Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
Date
1933-01-01
Page
Seite 432 (sequence 2)
Language
German
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432 M. Gaster da wurde Titus zornig und befahl ihn umzubringen, die Leute aber stellten sich, als ob sie nichts hörten, denn so hatte es der Arzt geboten. Wütend darüber sprang schließlich Titus selbst aus dem Bette und wollte den Ritter niederstechen, da entfernten ihn die Diener aus dem Zelte. Titus aber genas sogleich, nachdem sein Zorn verraucht war, und gewann den Ritter, der ihm dazu verholfen, dann sehr lieb. In den Anmerkungen (S. 513) verweist österley auf die Paralleien in Hemmerlin: de nobilitate 34 f. 142 (libros de los Exemplas in der Biblioteca da autores Espanoles Bd. 51 S. 443 ff.) Kap. 33. Wolgemut 2, 45 und Jacob v. Cassalis, Das Buch menschlicher Sitten 1477 f. 28 b. In der Legenda aurea des Jacob a Voragine ed. Grässe S. 300 f. wird dieselbe Geschichte erzählt, ebenso im großen Passionale — Maßmann Kaiserchronik III s. 588, wo aber Josephus diese Rolle des R. Jochanan spielt. Die Übereinstimmung mit dem Talmud ist hier noch viel größer. Ganz wie R. Jochanan spricht Josephus Vespasian als zukünftigen Cäsar an. Vespasian fragt ihn dann, warum er nicht seiner Stadt den Untergang prophezeit? Im Talmud fragt er, warum er nicht früher zu ihm gekommen sei? Inzwischen trifft die Botschaft aus Rom ein und nicht Vespasian, sondern wie in Pauli wird Titus krank und in derselben Weise wie hier geheilt. Diese und die talmudische Quelle ist Österley und allen bis jetzt, wie es scheint, jedoch unbekannt geblieben. An derselben Stelle werden in der Legenda aurea weiter die Schrecken der Belagerung von Jerusalem erzählt. Unter anderen auch, daß eine früher reiche Frau, jetzt von den Hungernden ausgeplündert und beraubt, ihr eigenes Kind schlachtet, um ihren Hunger zu stillen. Sie aß aber nur eine Hälfte und verbarg die andere. Kaum hatten die Räuber den Geruch des Fleisches gespürt, als sie in das Haus drangen und sie mit dem Tode bedrohten, wenn sie ihnen nicht das Fleisch herausgeben würde. Die unglückliehe Mutter zeigte ihnen nun die noch vorhandene Hälfte und als sie sich entsetzten, sagte sie: ,,esset nur unbesorgt, denn es ist mein eigenes Kind, und ihr seid doch nicht gottesfürchtiger, als eine Mutter und weicher als ein Weib; wie ich die eine Hälfte gegessen habe, werde ich auch die andere essen.“ Entsetzt flohen sie von dannen.

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