Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 431 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829991-2829998-2838634--52284-2838697- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
M. Gaster: Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde 431 Beiträge zur vergleichenden Sagen- und Märchenkunde. (Fortsetzung von 1883)1 Von M. G a s t e r. 1. Vespasian und R. Jochanan b. Sakkai. Als R. Jochanan b. Sakkai aus Jerusalem zu Vespasian kam, langte zu gleicher Zeit die Botschaft aus Rom an, Vespasian sei zum Cäsar gewählt worden. Er hatte gerade einen Schuh an und wollte den zweiten anziehen, aber zu seinem nicht geringen Erstaunen ging dieser nicht herauf und der andere nicht vom Fuße herunter. R. Jochanan erklärte ihm, daß die gute Nachricht, die er eben erhalten, einzig und allein Schuld daran sei, da sie ihn feist gemacht, wie es in der Schrift heißt: ,,gute Nachricht gibt Mark dem Gebein“. (Spr 1530). Vespasian solle sich daher einen Feind vorführen lassen, und dessen Anblick werde ihn schon heilen. Vespasian versuchte es und es gelang. Gittin 56b EchaR. zu 15, S. 64b, wird gleiches von Vespasian erzählt. Pauli, Schimpf und Ernst c. 358 ed. Bolte, Berlin 1924, S. 216 Literatur dazu II, 341, aber ohne Kenntnis der jüdischen Quellen) teilt folgende, der talmudischen Erzählung ganz entsprechende Geschichte mit: ,,Da Vespasianus und Titus vor Jerusalem lagen, schickten die Römer nach Vespasian; als er kam, erwählten sie ihn zu ihrem Kaiser; da kam einer zu Tito gen Jerusalem und gewann das Botenbrot, daß sein Vater Kaiser geworden. Da hatte er eine herzliche Freude, daß er darüber krank wurde. Man schickte nach einem Arzte. Der Arzt fand, daß ihm nichts fehlte, denn daß er einmal von Herzen zornig werde, und so könnte er genesen. Er fragte zugleich, ob keiner unter den Leuten da wäre, denen Titus feind wäre. Man sagte ihm von einem Ritter, der auch Titus hieß, von dem er nichts hören noch sehen wollte. Der Ritter wurde zu ihm gebracht, 1 Es dürfte ein einzig dastehender Pall sein, daß ein Zeitschriftenaufsatz nach 50 Jahren seine Fortsetzung findet. Wir sprechen dem Herrn Verfasser unseren Glückwunsch dazu aus, daß es ihm heschieden gewesen ist, den Faden, den er als 27 jähriger Jüngling begonnen, als hochverdienter Meister der Wissenschaft weiterzuspinnen. ]Die Schriftleitung der MGWJ.