Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Maschak
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 10)
- Language
- German
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410 Harry Torczyner die beide Wörter miteinander verbindet. Wie schon oben für die ähnliche Ez 2918 gebrauchte Wortverbindung gezeigt worden ist, wurde das ursprünglich vom Haar des Kopfes und Bartes redende Wortpaar später auch übertragen gebraucht, und so ist es möglich, daß ממשך ומ1דם, von einem Volke ausgesagt, etwa auf vorangegangene Bedrückung desselben hinweist: ,,ein Volk, gezupft und gerupit“1. Leichter sind nun die zu משך gehörigen biblischen Substantivbildungen einzuordnen. משך הזרע Ps 1266 ist natürlich einfach ,,das, was man vom Samen (in der Hand) gefaßt hat, hält“, die ,,Fassung“ des Samens, vgl. das oben besprochene משך הידע Am 913 ,,der den Samen faßt“. Hi 28ls ist ומשך חכמה מפנינים ähnlich einfach: ,,Und das Fassen, Fangen, Fischen von Weisheit (besser) als das von Korallen“, vgl. oben zu למשך ♦ . . בחכמה in Koh 23. משכוית Hi 38sl sind natürlich ,,Halteseile, Halfter“, nicht ,,Zugstricke“. Aus der Prüfung all dieser Stellen ergibt sich mit Sicherheit, daß משך in biblischer Zeit nirgends ,,ziehen“ bedeutet hat, alle Entwicklungen des Wortsinnes vielmehr auf ,,ergreifen, halten“ zurückgehen. ,,Ziehen“ wird im biblischen Hebräisch regelmäßig durch ״ הוציא, השיב, הוריד, העלהhinauf-, hinunter-, zurück-, hinausziehen“ u. dgl. ausgedrückt. Aus vielen Verbindungen heraus jedoch versteht man es, wie zunächst in einzelnen Fällen das (bewegungslose) Halten als ein (bewegendes) Ziehen verstanden werden konnte. Nicht nur literarisch konnten einzelne Stellen wie *״ וימשכו* העלוsie griffen zu und zogen herauf“ als sie ״zogen an und brachten herauf“ verstanden werden, sondern auch in der lebenden Sprache war das fruchtbare, die neue Bedeutung schaffende Mißverständnis leicht genug möglich: Wer den Bogen an der Sehne faßt, spannt ihn dann, wer das Tier am Halfter hält, zieht es mit sich, wenn er geht, und so verstand der Hörende oft ״ich ziehe das Tier, spanne den Bogen“, wo zunächst nur ״ich halte‘/ gemeint war. Ebenso leicht scheint dieser Umdeutungsprozeß in jenen Fällen, wo ״halten“ über ״anhalten“, ״zurück- 1 Beachte übrigens etwa auch den Gebrauch von deutsch ״gerieben, durchtrieben, ausgekocht“ für ״in vielerlei Dingen erfahren“.