Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 397 (sequence 4)
- Language
- German
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Besprechungen 397 sophischen Judentum bereits vorhandenes, aber anders gemeintes Motiv durch eine philosophische Lehre Seine wissenschaftliche Legitimation und zugleich eine erhebliche Umbildung erfährt; von hier aus hätte das Gabirolproblem einleuchtend behandelt, die Brücke also־, die' von dem Gefühl menschlicher Ohnmacht in beiden Teilen des Keter Malchut zu der Lehre von der über alles menschliche Denken erhabenen Einheit führt, un- ,schwer geschlagen werden . können. Diese prärationalen Eormkräfte aber ergeben den jüdischen Einschlag der Systeme: mit ihrem Zurücktreten bei Guttmann hängt es daher zusammen, daß die Frage nach dem jüdischen Gepräge der ״ Philosophie des Judentums“ bei ihm nicht klar gestellt ist. So sorgfältig er die Selbständigkeit der einzelnen jüdischen Denker gegenüber ihren arabischen Vorbildern herausarbeitet, so wenig wird aus seiner Darstellung erkennbar, wie das jüdische Denken als Ganzes durch Auswahl und Umarbeitung der arabischen Systeme seine Eigenart gewahrt hat. Nach• anderer Seite unwillkürlich irreführend wirkt die fast völlige Übergehung der mystischen Strömungen. Die Darstellung des Altertums berücksichtigt zwar den Talmud, aber weder die Apokryphen noch die ihnen verwandten Midraschwerke; die Kabbala wird nur flüchtig gestreift, der Chassidismus nicht -einmal genannt; und die neuen ,,irrationalistischen Tendenzen“, die in Buber und Rosenzweig wirken, können nach Guttmann ,,noch keine geschichtliche Würdigung“ erfahren. Mag diese Einschränkung auf die rationalistischen Strömungen durch den Titel ,,Philosophie des Judentums“ nahegelegt sein, notwendig gegeben ist sie nicht; die ,,Geschichte der Philosophie in Einzeldarstellungen“, in welche Guttmanns Werk eingegliedert ist, widmet der philosophischen Mystik des christlichen Mittelalters ihren 14, Band. Eine Ergänzung der Reihe durch die Einbeziehung der Mystik des Judentums, so weit der jetzige Stand der Forschung es gestattet, wäre gewiß erwünscht gewesen. Zu diesem Irrationalen, das sich in den philosophischen Systemen aus wirkt, gehört andererseits auch die persönliche Eigenart der Philosophen. Folgerichtig tritt daher auch diese bei Guttmann etwas zurück. Seine Übersichten über Leben und nichtphilosophische Werke der Denker sind zwar mit großer Sorgfalt gearbeitet; und einzelne Bemerkungen über das ״naive Ungeschick“ der Schreibweise Israelis, die ,,Unruhe“ Abraham Ibn Esras, den ,,mehr scharfsinnigen als tiefsinnigen“ Gersonides zeigen den Blick für das Persönliche durchaus. Bei Jehuda Halevi und Maimuhi werden auch die Brücken zwischen philosophischen und anderen Werken leicht angedeutet. Aber niemals versucht G., die Persönlichkeiten und die Mannigfaltigkeit ihrer Schöpfungen gleichsam aus ihrer Mitte zu begreifen und von hier aus die Eigenart des Philosophierens zu verstehen. Wie sich etwa in Jehuda Halevis System neben philosophischer Kritik und religiösem Gefühl ärztlicher Empirismus und künstlerisches Empfinden des Irrationalen aus wirken, gelangt nicht zur Anschauung. Der ,,primitive Rationalismus“ Saadias, wie ihn Max Wiener in einer