Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 398 (sequence 5)
- Language
- German
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398 Besprechungen von Guttmann nicht genannten Abhandlung (דביר I) gezeichnet hat, zeigt sich in der Nüchternheit seiner Bibelübersetzung, in der Hilflosigkeit seiner Ethik, vor allem aber darin, daß er nicht nur den Bibelglauben aus den natürlichen Erkenntnisquellen rechtfertigt, sondern ebenso gut das Vertrauen auf Sinne und Vernunft aus der Bibel; von alledem ist bei Guttmann nicht die Bede; er arbeitet zwar das philosophisch Bedeutende oder doch Anregende in Saadias System klar heraus, geht aber an solchen kennzeichnenden, wenn auch philosophisch belanglosen Zügen vorbei. Gerade auf solche Fragen also, die der neuesten Forschung besonders; naheliegen (s. S. 358 ff. des vorigen Jahrgangs) und zumal für den jüdischen Leser von Belang sind, erteilt Guttmann keine erschöpfende Antwort. Aber diese Lücke des Werkes ist offenbar nicht im Können des Verfassers begründet, sondern in der Beschränkung auf seine Hauptabsicht: den wissenschaftlichen Wert des jüdischen Denkens, zumal im Mittelalter, erstmalig und bereits erschöpfend dem philosophischen Mitforscher darzustellen. Und diese Absicht verwirklicht das Werk mit derartiger Sorgfalt und Sachkunde, daß man den Verfasser zur Fertigstellung nur aufrichtig beglückwünschen kann. Besonders erfreulich ist auch, daß das Buch dank der Form der Darstellung und der Eingliederung in eine Reihe philosophiegeschichtlicher Schriften gewiß auch in solchen Kreisen Beachtung erwarten darf, die sonst vom jüdischen Geistesleben wenig hören. Heinemann. Rudolf Hallo: Kasseler Synagogengeschichte. Kassel 1932, 8°, 108 S. und 24 Taf. mit 50 Abb. Dieser erste Band der ,,Geschichte der jüdischen Gemeinde Kassel“־ beschäftigt sich mit der historischen und künstlerischen Wertung der dortigen Synagogen, Friedhöfe und kunstgewerblichen Altertümer. Außer dem vor kurzem im Alter von 36 Jahren verstorbenen, um die Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler hochverdienten Verfasser waren Rechtsanwalt Dalberg und Landrabbiner Dr. Walter an diesem Werke tätig. Die mit außerordentlicher Gründlichkeit behandelte Geschichte der Kasseler Synagogen umfaßt die Zeit von 1293 bis Mitte des 19. Jahrhunderts. Aus dem umfangreichen Aktenmaterial ist eine Fülle von historischem Stoff geschöpft, der uns über eine Reihe Persönlichkeiten aus den letzten Jahrhunderten Auskunft erteilt, wenngleich, wie üblich, die meisten kaum über ihre Gemeinde hinaus bedeutsam erscheinen. Anders liegt es mit den Kasseler Künstlern und Kunsthandwerkern. Diesen Persönlichkeiten ist ein besonderes Kapitel gewidmet, das uns z. B. von namhaften Miniaturmalern berichtet; so von Leo, Salomon und Herrmann Pinhas (also 3 Generationen!) von Fiorino und anderen. Besonders beachtenswert erscheint die große Fülle von jüdischen Handwerkern in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Der Verfasser selbst entstammt einer solchen Handwerkerfamilie. Besonders ausführlich be-