Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 2)
- Language
- German
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Besprechungen 391 Manches, wes sich für. ein Erbauungsbüch besonders eignete, läßt sich Rosmarin entgehen oder berührt er nur flüchtig oder verbannt er in die Fußnote. Z. B. Moses und der Sarg Josephs, Geschmack des Mannas, zehn Gebote usw. Vortrag. Ein Erbauungsbuch-soll ein Volksbuch sein. Dazu ist ein fließender volkstümlicher Vortrag notwendig. Diese Kunst des Vorträges geht unserem Verfasser ab. Hier und da. bleibt er unklar. Ungehcuerlich klingt folgender Satz: Jede Frau gebar zwei, sechs, zwölf, sechzig und sogar sechzig Myriaden Kinder auf einmal (37). Diese Ungeheuerlichkeit wird durch die Fußnote verständlich, daß Moses den 600 000 Israeliten gleichkommt; dann gilt es aber nur von Jochebed, daß sie 600 000 zur Welt bringt, keineswegs von jeder Frau. Sprachliche Verstöße sind nicht selten; manchmal schwankt man, ob man einem Druckfehler oder einem Sprachfehler gegenübersteht. Z. B. S. 49 Z. 3 genaß lies genas; 72, 4 statt faules lies faulem; 76, 13 statt vermochten lies vermochte; 105, 5 statt dem Sohne lies des Sohnes. — Hebräisches ist sehr sorgfältig gedruckt. Unnötige Fremdwörter trüben oft das volkstümliche Gepräge. Ganz eigenartig ״Matriarchen“ statt Erzmütter, Stammütter. Noch eigenartiger wird אספקלריא שאיבה מאירה übersetzt ,,unklares Spekular“ statt trüber Spiegel. Berichtigungen: Zu S. 67, 240 ,,ihrer Schönheit wegen wurde sie כושית genannt“, — der abwehrende Kakophemismos bedarf der Erklärung. Zu S. 73 1. Z., Isak wird nicht vom Schwerte seines Vaters gerettet, sondern von seinem Schlachtmesser. S. 108 Z. 11 ,,Moses . . . unterrichtete die Juden in 70 Sprachen“; es handelt sich nicht um Mosis Sprachkenntnisse, noch bloß um den Unterricht der Juden, vielmehr verkündet die Schule Ismaels den bedeutsamen Gedanken, daß die Thora allen Sprachen, allen Völkern gilt, — nicht die Juden allein unterrichtet also Moses (Bacher* Ag. Tan. II, 347). S. 119 ,,ist Moses der Ältere, so bleibst du der Schüler“. Hebräisch 'אי מר רבה אבת תלמידא וכי, deutsch demnach richtiger:: Wer immer der Meister wird, du bleibst allemal der Jünger. 19 ,126 —־־ ,,Drei Parasangexi zu drei Parasangen“ richtiger drei Parasangen im Geviert, 9 Quadratparasangen. S. 129, 536 statt Gorinthians lies Gorinther (135). Moses flehte, daß ״das Volk durch ihn alle Gebote erfülle“ (135). — In Wirklichkeit läßt die Agada Moses beten, daß er selbst auch die Gebote erfüllen könne, die an das Heilige Land geknüpft sind. — ,,Fürst des Innern“ (138, 582), — שר הפנים bezeichnet den Engelsfürsten, der vor dem Angesicht Gottes den Dienst verrichtete, wohl auf Grund des mißverstandenen ומלאך פניו Jes 639. Anerkennung verdient das Streben des Verfassers, ein widerspruchslos ■einheitliches Bild von Moses zu zeichnen. Während in Ginzbergs LegenÜs der Grundtext aus verschiedenen Quellen oft Widersprechendes bietet, nimmt Rosmarin über der Zeile nur übereinstimmende Züge für sein Bild an, — Abweichendes, Widersprechendes gerät in die Fußnoten. Dennoch meine ich, daß Rosmarins gründliche Arbeit nicht so sehr der Erbauung, als der Agadaforschung Dienste leistet. Nachtrag. Im Zeitraum zwischen Abfassung und Korrektur dieser Anzeige ist ein bedeutender Beitrag zur Moses-Aggada erschienen,