Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ein hebräischer Dichter des 15. Jahrhunderts
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 372 (sequence 8)
- Language
- German
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372 Umberto Cassuto kreise des Mo§e ben Joab für die üppige Blüte der hebräischen Literatur im damaligen Italien1. Die Handschrift, die uns die Gedichte Mo§es ben Joab aufbewahrt hat, ist in unvokalisierter italienischer Kursive geschrieben. Es ist eine flüchtige Kursive; das ב ist ganz gleich dem כ, das ד, dem ד, das פ ist oft dem ע und dem & sehr ähnlich, und die häufigen Ligaturen lassen oft auch andere Buchstaben einander gleich erscheinen; daher muß man oft mehr raten als lesen. Dazu kommt leider noch als weitere Schwierigkeit, daß die Handschrift zahlreiche Abschreibefehler enthält2, die in Ermangelung einer andern Handschrift nur durch Konjektur verbessert werden können. Im folgenden biete ich einige Proben der Gedichte Mo§es ben Joab, die mir geeignet scheinen, eine Vorstellung von den verschiedenen Seiten seiner dichterischen Tätigkeit zu geben; vielleicht werde ich später Gelegenheit haben, weiteres von ihm zu veröffentlichen. 1. Der Dichter befindet sich in Florenz, während ״die Hand des Zerstörers gegen die Stadt ausgestreckt ist". Aller Wahrscheinlichkeit nach handelt es sich um die furchtbare Belagerung von Florenz durch die Truppen Karls V. (1529—30)3, die mit der Ubergäbe von Florenz und dem Einzug der Kaiserlichen am 6. August 1530 ihr Ende erreichte. Das Gemüt des Dichters ist durch den Todeskampf seiner Stadt höchst gepeinigt; seine Verse sind ein bemerkenswertes Zeugnis für den Anteil, den die Juden im Italien der Renaissance am Leben der Gesamtheit zu nehmen pflegten. Von diesem Gesichtspunkt aus erinnern sie an die Episode der 1552 an dem Aufstand gegen die spanische Besatzung teilnehmenden Juden von Siena4. Sie haben nichts mit der ,,loyalen Poesie"5 der folgenden Jahrhunderte zu tun: aus ihnen spricht das Herz eines Sohnes. 1 Bin Zeitgenosse ist auch Samuel ben Mose Anaw, über welchen s. S. Bernstein a. a. O. 2 Diese Abschreibefehler zeigen, daß die Handschrift kein Autograph ist, wie Hirschfeld, J QR, 1. Ser., 12, S. 139 vermutete. 3 Zu dieser Auffassung s. auch in Nr. 2 die Anspielung auf den Beherrscher (אדון) und die kriegerischen Töne. 4 Ha-Zofeh 8 (1924), S. 36—43. 5 Steinschneider, Isr. Letterbode, 5, S. 33—39.