Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zur Erklärung der Esra-Apokalypse und zur Rekonstruktion ihres hebräischen Urtextes
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 10)
- Language
- German
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348 A. Kaminka Die ,,assyrische Schrift“, deren Hervorhebung auf die Ehrwürdig״ keit der Rolle hinweist (so wurden die hl. Bücher geschrieben: Mischna, Jadaim IV, 5) ist nach b. Sanh. 21 b die im Zeitalter Esras eingeführte, im Gegensatz zur althebräischen. Aus der Zahl 4291 ist nichts zu schließen, da solche Zahlen jeweilig in den Text alter Rollen eingefügt werden mochten1. Aber selbst wenn man annimmt, daß diese ganze Rolle nur eine Nachahmung ähnlicher alter Schriften war, so 1ward die Existenz solcher Rollen aus der Zeit, da man sich literarisch nur des Hebräischen bediente,, vorausgesetzt. 17. Eine Beziehung des Buches auf den Priester und Schreiber Esra hat u. a. gegen sich, daß der Verfasser ausdrücklich Schaltiel genannt und als letzter der Propheten bezeichnet wird (1242).. Ein späterer Kompilator mußte wissen, daß Esra kein Prophet war (zu seiner Zeit wartete man bereits auf dereinstige Wiederkehr von Orakel-Offenbarungen, Neh 7^) auch kein Fürst, der die Gemeinde beschützte. Wäre ferner der Name erst nach vielen Jahrhunderten fingiert worden, so bliebe erstens unerklärt die Selbst-Identifizierung des Verfassers ,,ich Schaltiel, der auch Esra ist“, zweitens, wenn man sich nur auf einen der beiden Namen beziehen wollte, die chronologisch unmögliche Versetzung des Priesters Esra in das Jahr 30 nach der Zerstörung, andererseits die willkürliche Ausgrabung des wenig bekannten Namens Schaltiel,. der doch nicht wie bei den anderen Pseudepigraphen der Name einer Persönlichkeit aus der Urzeit ist, um ihn zum Autor des Visionenbuches zu machen. 18. Mit dem Problem ,,Ego Salathiel qui et Ezras“ hat sich auch M. R. James im ,,Journal of Theological Studies“ (1917, 1 Es ist mir nicht bekannt, daß die Zahl 4291 von jemand erklärt worden wäre. Ich halte sie für die Zahlder Gebote 613x7. Es haben vielleicht manche ,,Endzeit-Berechner“ auf Grund des Spruches, das Sabbatgebot allein habe soviel Gewicht wie sämtliche Geböte der Thora und die Heiligung des Sabbats sichere die Erlösung (s. Exod. rabba 25 Ende) der Multiplikation Gebote x Sabbat (= ל) eine messianische Bedeutung beigelegt. Wenn nun auch M. Güttmann in seiner Abhandlung über die Gebote in vollem Rechte ist (Seminarbericht Breslau, 1928), daß R. Simlai nicht der Urheber dieser Zahl ist, sondern sie bereits. als allbekannt voraussetzt, so kann deren Ursprung doch nicht in die vormakk. Zeit hinaufreichen.