Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zur Erklärung der Esra-Apokalypse und zur Rekonstruktion ihres hebräischen Urtextes
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 345 (sequence 7)
- Language
- German
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Beiträge zur Erklärung der Esra-Apokalyp.se 34& bezogen, das vom Himmel fertig herabgelangen werde1; Ebenso muß man annehmen, daß das Bild 132-5 des durch einen S t u r mwind aus dem Meere emporgetragenen und d adurch in die Wolken des Himmels gelangten Mannes (eines Herrschers und Kämpfers; einzelne Züge sind aus Ezech 14, 312-14 und Jes 1414 על במתי עב bekannt), der dann mit seiner Stimme die Welt erschüttert, das ursprüngliche und vollständigere ist, während bei Dan 713 das Menschenkind, das mit den Wolken fliegt (woher gelangte es denn dorthin? Welche Taten vollbringt es? Es erscheint untätig und von Gott wird ihm die Königsmacht geschenkt), rein dichterisch betrachtet, eine fragmentarische Entlehnung darstellt2. In unserem Buche ist die Vision, die auch Kabisch und Charles für ein selbständiges Stück halten, vielleicht ein jüngerer Bestandteil, u. zw. aus der Zeit Alexanders des Großen. Sein Heranziehen als Eroberer aus dem Mittelmeere3 mochte im Verein mit den Jes 11 vom gottgesandten Herrscher geschilderten Eigenschaften das ideale Bild hervor-' gerufen haben (es ist daher kein Anlaß, mit Charles anzunehmen, der Verfasser habe an einen ,,kosmischen Menschen‘‘ gedacht). Daniel dichtet es um, indem er alle Kraft und allen Ruhm Gott allein überträgt und den schwachen Menschen nur als Werkzeug darstellt׳ Es ist nicht im Widerspruch dazu, daß 12n Daniel genannt wird, da die Persönlichkeit Daniels, die schon Ezechiel bekannt ist, von der Niederschrift der an seinen Namen geknüpften Visionen zu unterscheiden ist. 1 Die Identität beider Sagen ergibt sich aus verschiedenen, rabbinischeix Texten, u. a. aus Raschi, Sukka 41 a *מקדש העתיד שאנו מצפין בנוי (s. v. ומשוכלל הוא יגלה ויבוא משמים (אי במי, 2 בראנש ist wie בן אדם und בן אנוש Ps 85י1443 י6211 ג Num 23, 10 das schwache Geschöpf. Schon Gunkel hat richtig geahnt (Weltschöpf, u. Chaos, 328), daß Daniel diese Gestalt anderswoher fertig übernommen haben muß, ״denn es ist schwer zu sagen, wie der Verfasser von sich aus auf dieses Bild gerade für Israel hätte verfallen können.“ Die windige Theorie vom späten Ursprung des IV. Esra hat es ihm unmöglich gemacht, hier die Quelle zu erkennen. Über die verschiedenen Deutungen des ,,Menschensohnes“ s. jetzt H. Junker, Untersuchungen über lit. u. exeg. Probleme des Buches Daniel, Bonn 1932, 55—65. 3 Es wurde von Juden allgemein mit Sympathie begrüßt, schon darum ist die Beziehung von Habakuk 1 auf seine Kriegszüge (Duhm u. a.) ganz unmöglich, sie ist auch aus literarhistorischen Gründen unzulässig.