Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zum Fall Mortara (1858)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829991-2829997-2838518--52164-2838556- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Beiträge zum Fall Mortara 333 X. Der preußische Außenminister an die Gesandschaft zu Rom. (Konzept) Berlin, den 28. November 1858. Ew. etc. neuesten Berichte vom 6. d. Mts.1, welche die Angelegenheit des Knaben Edgar Mortara berühren, habe ich mit dem Interesse entgegengenommen, welches dieser Gegenstand allerdings in Anspruch zu nehmen geeignet ist. Zunächst ist es mir Pflicht, meine vollständige Billigung des von Ihnen beobachteten zurückhaltenden Verfahrens auszusprechen, und ich kann nur wünschen, daß Sie demselben auch ferner treu bleiben mögen. Wie groß das Interesse auch sein möge, welches man menschlicherweise an der traurigen Lage der Familie nehmen muß; welches auch ferner ׳aas Urtheil sei, welches man in religiöser oder kirchlicher Hinsicht, sei es über die betreffende Gesetzgebung selbst, sei es über ihre Anwendung in dem Einzelfalle zu sagen sich berechtigt hält: Für uns als Regierung muß zunächst der Umstand maßgebend sein, daß es sich hier um einen eigenen Unterthan einer fremden Regierung handelt; von diesem Standpunkt aus können wir keine Veranlassung finden, dem Römischen Hofe in vorliegendem Falle Vorstellungen zu machen oder Rathschläge zu ertheilen. Jedenfalls sind, falls solche überhaupt als ein Bedürfnis erscheinen, die katholischen Regierungen in diesem Falle zunächst dazu berufen, während unsere Stellung als Evangelische Regierung uns eine größere Zurückhaltung zur Pflicht macht. Ew. etc. sollen daher auch ferner dem Gardinal-Staatssecretär gegenüber keine Initiative in der Besprechung dieser Angelegenheit ergreifen. Sollte der Fall dagegen von jenem selbst erwähnt werden, so sollen Ew. den oben bezeichnten Standpunkt der Königlichen Regierung, wonach der Fall sich jeder Einmischung in eine den Unterthanen einer fremden Regierung betreffende Frage enthalten zu müssen glaubt, entschieden hervorheben, zugleich aber auch unser Bedauern über die ganze Angelegenheit sowie den aufrichtigen Wunsch und die Hoffnung aussprechen, daß die Weisheit Sr. Heiligkeit des Papstes Mittel finden möge, die Frage auf eine Weise zu lösen, welche seinen eigenen milden und väterlichen Gesinnungen ebensosehr als seiner Würde als Regent und Kirchenfürst entspreche. Übrigens versichere ich Sie, den Fortgang der Angelegenheit mit aufmerksamer Beobachtung zu verfolgen und sehe Ihrem weiteren Bericht darüber mit lebhaftem Interesse entgegen. gez. v. Schleinitz. XL Der preußische Kultusminister an den Außenminister. (Original) I. 20687 pr. 9. December 1858. Ew. Exz. beehre ich mich die Original an lagen des gefälligen Schreibens vom 28. v. Mts.2 Nr. 14814 in Betreff der Angelegenheit des Knaben Edgar 1 Vgi. Anhang VI und VII. Vgl. Anhang IX.