Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zum Fall Mortara (1858)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 330 (sequence 10)
- Language
- German
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330 1 Josef Meisl entführt worden, sofort noch mit-einer Catichional-Taufe versehen sei*, welche etwaige Mängel bei der ersten. Taufe habe suppliren sollen, ein Verfahren, welches schon deshalb wenig Wahrscheinlichkeit für sich hat, weil es einen Zweifel an der Gültigkeit der ersten Taiife ausgedrückt hätte), so müßte das Kind, anderen kanonischen Vorschriften zu Folge von seinen jüdischen Eltern entfernt werden. Rechnet man zu diesen Erwägungen und denen, welche sich noch ferner an dieselben anschließen, die Publizität, welche die Angelegenheit und die auf dieselbe bezüglichen Vorgänge erlangt, sowie die Erdichtungen, zu denen sie Veranlassung gegeben haben, so läßt sich wohl schwerlich erwarten, daß Ratschläge von irgend einer Seite den heiligen Stuhl von der beschrittenen Bahn zurückzubringen vermögen werden. Gewaltmaßregeln würden heute nicht mehr zu bemänteln sein und scheinen mir undenkbar. — Von einer bevorstehenden Modification der Gesetzgebung über die Taufe von Judenkindern, welche die Independance beige meldet, weiß man hier nichts. Doch hält man für möglich, daß ein Verbot für die Juden ergehe, christliche Dienstboten anzünehmen, eine Maßregel, welche bisher am Widerstande der Juden selbst gescheitert ist, indem sie behaupteten, unter ihren Glaubensgenossen keine hinreichende Anzahl von Dienstleuten finden zu können. Seit etwa 8 Tagen hat das Giornale di Roma die Angelegenheit ein paarmal kurz erwähnt. Die heutige Civiltä. Gattolica bringt eine ausführliche Abhandlung betitelt: II piccolo neofito Edgardo Mortara1, vielleicht identisch mit der in meinem gehorsamsten Berichte vom 6. Oktober erwähnten Gegenschrift2. Ich füge diese Abhandlung gehorsamst bei. Um selbst den Schein zu vermeiden, als glaube ich mich zur Einmischung in eine so viele und wesentliche Prinzipien-Fragen in ihrem Schoße bergende Angelegenheit ermächtigt, habe ich es unterlassen, dieselbe gegen den Cardinal-Staats-Secretär überhaupt zu berühren und um Aufklärung darüber zu ersuchen, so interessant letztere auch gewesen sein möchte. Rom, den 6. November 1858. gez. Fr. v. Gundlach. VIII• Von Gundlach an den preußischen Ministerpräsidenten. Entzifferung No. 11. I. 19 54:0 pr. 19. November 1858. Rom, den 6. November 1858. Wie Graf Golloredo3 mich versichert, ist die von sonst gut unterrichteter Seite, zum Beispiel dem Belgischen Geschäftsträger, verbreitete Nachricht, daß der Französische Botschafter in der Angelegenheit Mortara 1 Vgl. die S. 321 ,Note.2 erwähnte deutsche Übersetzung dieses Artikels. 2 Vgl. Anhang IV. 3 Graf Franz Golloredo Waldsee (11859—99ל) österreichischer Botschafter in Rom.