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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 5 · p. Seite 323

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 5
Article
Beiträge zum Fall Mortara (1858)
Date
1933-01-01
Page
Seite 323 (sequence 3)
Language
German
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Beiträge zurri Pall Mortara 323 einem an den König von Sardinien gerichteten Begleitbrief des italienischen Deputierten Leone Carpi1. Die Hauptfrage, üm die sich die diplomatischen Erörterungen drehten, ob die preußische Regierung sich zu Gunsten der Familie Mortara einmischen sollte, mußte von zwei Gesichtspunkten, dem politischen und dem religiösen, geprüft werden. Die Entscheidung war für Preußen leicht. Am weitesten hatte sich der französische Botschafter2 vorgewagt, der sich zuerst an den Kardinal-Staats- Sekretär Antonelli3 wandte, und als ihm keine genügende Aufklärung zuteil wurde, beim Papste selbst in einer für diesen offenbar verletzenden Form, ohne vorherige Anmeldung, intervenierte. Auf dieses energische Auftreten des französischen Botschafters erteilte der Papst eine entschiedene, ablehnende Antwort4. Die anderen Regierungen haben nicht förmlich interveniert, sondern sich in der Hauptsache auf Einholung von Informationen über die Angelegenheit beschränkt5 6. Unter diesen Umständen lag für die preußische Regierung kein Anlaß vor, dem Beispiele der französischen Regierung zu folgen, und sie verhielt sich deshalb abwartend Herr von Gundlach betonte dies ganz besonders im Hinblick auf die von Ludwig Philippson angeregte Eingabe deutscher Rabbiner an den Papst, um deren Unterstützung er von den Unterzeichnern ausdrücklich gebeten worden war7. Diese Zurückhaltung erschien umso gebotener, als es sich, wie gesagt, um eine Grundfrage der katholischen Kirche handelte. Wenn auch der preußische Gesandte sich eingehend für die dogmatische Seite des Falles interessierte und seiner Regierung über die viel bestrittene Frage der Gültigkeit der Taufe und die einschlägige Literatur ausführlich berichtete8, und auch aus seiner persön- 1 1820—1898 war Abgeordneter von Ferrara, Verfasser verschiedener soziologischer Schriften und Abhandlungen zur Geschichte der Juden in Italien. 2 Antoine Alfred Ag&ior, Herzog von Gramont, Fürst von Bidache: (1819—1880). 3 Giacomo Antonelli (1806—1876). 4 Vgl. Anhang VIII und XII. ß Vgl. Anhang VII. 6 Vgl. Anhang VII und VIII. 7 Vgl. A. Z. J. 1858, S. 502, 530, 559, Vgl. Anhang IV. 8 Vgl. Anhang V. ־*21

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