Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Beiträge zum Fall Mortara (1858)
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 2)
- Language
- German
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322 Josef Meisl trotzdem die Taufe für gültig, und seine Entscheidung wurde auch vom Rom -bestätigt, indem man? sich auf, dem Standpunkt, stellte, daß, falls die Taufe ordnungsmäßig vollführt worden sei, eine Unterlassung der Anzeige an der Gültigkeit des Taufaktes nichts ändere, sondern höchstens disziplinarische Bestrafung nach sich ziehen könne1. Nachdem einmal die Kirche diesen Standpunkt eingenommen hatte, mußten alle Versuche, eine Änderung dieser Haltung herbeizuführen, scheitern. Wie sehr dies der Fall war, zeigen die hier aus den Akten des Preuß. Geh. Staatsarchivs2 und der Jüdischen Gemeinde zu Berlin3 veröffentlichten Dokumente. Selbst wenn damals das Ministerium des Äußern von einem freisinnigeren Manne als dem Grafen von Schleinitz4 bekleidet worden wäre, der in dem ungefähr um diese Zeit in Verbindung mit dem Übergange von dem reaktionären zu einem gemäßigt liberalen Kurs5 ernannten Kabinett die Stütze des ,,alten Regimes“ bildete, hätte er kaum anders als dieser handeln können. Der Legationssekretär bei der preußischen Botschaft in Rom, Freiherr von Gundlach6, berichtete zunächst ganz kurz über den Vorfall und überreichte eine französische Übersetzung der Adresse7 der Juden in Piemont an das Konsistorium in Paris und den ״Board of Deputies of British Jews“ in London nebst 1 Vgl. Anhang VII. 2 Acta betr. den heimlich getauften und dann seinen jüdischen Eltern entzogenen Knaben Edgar Mortara aus Bologna. A. A. III Rep. 5. v. Sept. 1858. Geistliche und Kirchen-Sachen Nog. Italien Mortara. Aus Raummangel sind aus diesen und den in Note 8 genannten Akten einige Dokumente fortgelassen, deren gelegentliche Veröffentlichung Vorbehalten bleibt. 8 Acta betr. die seitens der Inquisition zu Rom im Jahre 1858 geschehene Entführung eines jüdischen Knaben zu Bologna namens Mortara. M. 1015. 4 Alexander Freiherr von Schleinitz (1807—1865־). 6 Infolge Übernahme der Regentschaft für den schwer erkrankten König Friedrich Wilhelm IV. durchseinen Bruder Wilhelm I. Vgl. Anh.XVI. 6 Gest. 1871. Vgl. Anhang I. 7 Italienischer Text bei Delacouture S. 75 f., deutsche Übersetzung A. Z. J. 1858, S. 502; Der Text des Begleitbriefes von Carpi ist seiner Belanglosigkeit wegen, das französische Dokument, weil es nur eine Übersetzung ist, fortgeblieben.