Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 299 (sequence 27)
- Language
- German
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Zar Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen 299 vielleicht privaten Interessen — eine Milderung der Zensur konnte vielleicht sein Amt überflüssig machen oder zumindestens an Ansehen verringern — auch weltanschauliche Gründe dazu bestimmten. Er war der Ansicht, daß durch Aenderungen in den Texten der traditionellen jüdischen Literatur den Juden leicht viele Ideen der Aufklärung nahe gebracht werden konnten. In seinem Schreiben an die Behörde gibt er zunächst eine Uebersicht über die Entwicklung des jüdischen Druckerei Wesens in Polen und versucht, deutlich zu machen, daß Erleichterungen für die Einfuhr ausländischer Bücher zum Ruin der jüdischen Drucker in Polen führen würden. Nachher wendet er sich den Zensurfragen zu und erklärt, in den im Auslande gedruckten Büchern fänden sich Behauptungen und Sätze, die sehr schädlich seien. In Deutschland, Frankreich und anderen zivilisierten Ländern übten solche Stellen keinen Einfluß mehr auf die dortigen Juden .aus. Nur ein kleiner Teil dieser Juden — mit Ausnahme der Orthodoxen — verstehe die hebräische und aramäische Sprache und dieser Teil wieder sei gebildet. Im Gebetbuch תד״לות«ישראל (Berlin 1859) finde sich das Gebet אב הרחמים, das dort, wie man aus den beigefügten Bemerkungen ersehen könne, nur 2 Mal im Jahre gebetet werde, während man es in Polen jeden Sonnabend bete. Ähnlich verhalte es sich mit dem Absatz נסגרתי לאדום [in ברוך ד׳ יום יום יעמם לבו] u. a. m. Solche Stellen bestärkten die Juden in ihrer Verachtung gegen Andersgläubige und hinderten freundschaftliche Gefühle für jene. Zum Schluß setzt Tugendhold noch seine Ansichten über die Zensur auseinander. Dadurch, ״daß sie allmählich aus den hebräischen Büchern die nach den oben angeführten Gesichtspunkten schädlichen Stellen beseitige, erfülle sie zunächst die ihr auferlegten Aufgaben. Sie mache sich aber dabei auch um die hebräische Literatur verdient und erweise der jüdischen Bevölkerung Wohltaten.16 Er sah in der Zensur — ,wie schon früher erwähnt wurde — nicht ein Werkzeug zu der von der Regierung aus übermäßigem Verdacht gegen Juden und Judentum willkürlich geforderten Aenderung der jüdischen Schriften, sondern vielmehr ein Institut, das die Aufklärung der Juden erleichtern sollte1. . Die Warschauer Zensur für jüdische Bücher war jetzt aber schon am Ende ihrer Bedeutung angelangt. 1862 wurde in Rußland das Monopol auf jüdische Druckereien abgeschafft und jedem 1 Derselben Meinung war ja Lebensohn, als er der Regierung eine strenge Überwachung der jüdischen D rucke rtätigkeit anempfahl.