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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 4 · p. Seite 298

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
Date
1933-01-01
Page
Seite 298 (sequence 26)
Language
German
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298 B. Weinryb hatten, jüdische Bücher aus Polen zu biingen. Sowohl an Qualität wie an Quantität wachsen jetzt die jüdischen Diuckereien in Polen. Im J. 1859 waren in Warschau selbst 8 jüdische Druckereien1. Die neugegründete Druckerei Orgelbrand (1859) gab eine vollständige Talmudausgabe heraus (1864), deren Ausstattung kaum etwas zu wünschen übrig läßt, während bis dahin in Polen nur einzelne Teile des Talmuds eischeinen konnten2. Auf aus dem Ansland eingeführte Bücher war seit 1851 ein Zoll von 1 y2 Kop. pro Druckbogen gelegt, der ausreichte, um die polnischen jüdischen Druckereien vor Konkurrenz zu schützen. Es wurden allerdings auch Bücher vom Auslande hineingeschmuggelt; nach den Worten Tugendholds sollen jährlich mehr als 1000 Bücher an der Grenze konfisziert worden sein, man kann aber vermuten, daß noch mehr überhaupt nicht gefaßt worden sind. Diese wurden kaum ihrer Billigkeit halber eingeführt; es handelt sich vielmehr um solche Bücher, die in Polen überhaupt nicht gedruckt wurden. Außerdem haben manche sicherlich versucht, aus dem Auslande solche Exemplare zu bekommen, die nicht durch die vielen Weglassungen und Hinzufügungen der Zensur verunstaltet waren. Wir haben schon früher gesehen, wie der Überdruck des Ghoschen Mischpatin Polen ausgesehen hat. Auch im Midrasch rabba, der 1850 in Warschau erschien, strich die Zensur eine Menge Stellen3. 1859 wies man die Zensoren dann vom Ministerium an, den Midrasch sehr streng zu behandeln. Doch begannen um dieselbe Zeit auch in bezug auf das jüdische Buch schon die liberalen Strömungen deutlich zu werden, die mit dem Regierungsantritt Alexanders II. (1856) in Rußland einsetzten. Man wollte nämlich verschiedene Erleichterungen für die Einfuhr jüdischer Bücher aus dem Auslande durchbringen. Dagegen sträubte sich aber der Zensor Tugendhold, den außer 1 Tugendhold-Akten Bd. 2. 2 Nach einem Verzeichnis der Betriebe in Polen vom Jahre 186ל (Vgl. Weinryb: Die Juden in der polnischen Industrie in: Schriften zur jüd. Wirtschaftskunde. Bd. 2 S. 35 f.) waren in der Druckerei in Jozefow 15 Arbeiter und die Produktion betrug 9 000 Rb. jährlich. 3 Tugendhold-Akten Bd. 2. In den 50er Jahren (1853) hat die schon erwähnte Verleumdung gegen, die Gebete im Machsor einen Widerhall gefunden. Man hat nämlich, den Behörden mitgeteilt, die Chassidim beteten im Machsorim, die Stellen gegen Zar und Regierung enthielten. Tugendhold verfaßte jetzt wieder ein größeres Gutachten, wo er die Geschichte d. Verleumdung gegen das: Gebet מלך אביון wiederholt und widerlegt.

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