Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 25)
- Language
- German
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Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen 297 eingeführt. Die polnischen Druckereibesitzer seien unvermögend, manche sogar arm und könnten überhaupt keine größeren Werke herausgeben; dagegen führten die reichen russischen Drucker ihre Bücher nach Polen ein. Der hohe Pachtzins würde die Bücher verteuern und somit ihre Ausfuhr nach Österreich und Preußen hemmen, andererseits würde er es den Armen unmöglich machen, sich mit den nötigen religiösen Büchern zu versehen. In einem anderen Schreiben vom Ende April 1851 wendet sich Tugendhold gegen Monopolisierung und Verpachtung der Druckereien in Polen. Die jüdischen Drucker in Rußland wie andere reiche Juden wollten diese Pacht um des Verdienstes willen übernehmen und würden hohe Pachtzinsen zahlen, wodurch die Bücher stark verteuert würden. Man würde dann aus dem Auslande billigere jüdische Bücher einschmuggeln, statt polnische nach dem Auslande auszuführen. Auch würde dies das ganze jüdische Druckergewerbe ruinieren. Am besten sollte man gar keine Neuerungen treffen; höchstens könne man eine Gebühr in Höhe von 1 Kop. pro Exemplar in 80 und 2 Kop. pro Exemplar in 4° erheben. Diese Einkünfte sollten für eine jüdische Handwerkerschule bestimmt werden1. Wie es scheint, waren die Einwendungen Tugendholds doch von Bedeutung; man hat in Polen kein Monopol auf jüdische Bücher eingeführt und sich nur mit einer kleinen Zollabgabe begnügt, die zudem anscheinend nicht streng eingehalten wurde2. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Verschiedenheit zwischen Kongreßpolen und Rußland in bezug auf die jüdischen Druckereien dazu beitrug, auch in Rußland das Druckmonopol überhaupt abzuschaffen, obwohl in der betreffenden Verordnung als Grund für diese Maßnahme der aus dem Monopol entstandene Schaden für die jüdische Aufklärung und die Belastung der armen jüdischen Bevölkerung angeführt ist3. Anscheinend hat die Oeffnung der Zollschranken zwischen Polen und Rußland einen guten Einfluß auf die Entwicklung des jüdischen Druckereiwesens in Polen gehabt. Die jüdischen Druckereien, die schon von den 30 er Jahren an allmählich aufzublühen begannen, erlebten in den 50 er Jahren einen Aufschwung. Warschau, in dem sich fast alle jüdischen Druckereien befanden, wurde zum Zentrum des allgemeinen und jüdischen Buchhandels4. Wie schon oben eiwähnt, werden jetzt Versuche gemacht, nach den Ländern, die fitiher jüdische Bücher nach Polen eingeführt 1 Tugendhold hat sich schon früher um die Gründung einer solchen Schule bemüht. (Vgl. Schatzky in Jiwobleter I 1931 S. 48 f.) 2 Vgl. Voschod. 1887. H. 12 S. 15. 8 Levanda Nr. 899. 4 Friedberg im: Jüdischen Archiv, ibid. S. 14.