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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 4 · p. Seite 296

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
Date
1933-01-01
Page
Seite 296 (sequence 24)
Language
German
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296 B. Weinryb Die Regierung in Polen wollte daraufhin die Lage der jüdisch־‘ polnischen Druckereien der der russischen angleichen und auch hier ein Monopol einführen. Sie forderte von den Zensoren einen genauen Bericht über Zahl, Lage, Arbeits- und Verdienstver- Verhältnisse der jüdischen Druckereien in Polen und eine Meinungsäußerung zu dem geplanten Monopol. Im März und April 1851 hat dann Tugendhold den Behörden eine ganze Reihe von Schriftstücken in dieser Angelegenheit vorgelegt. Wir erfahren daraus zunächst Näheres über die jüdischen Druckereien in Polen. Von den 5 im Lande befindlichen Druckereien waren 4 in Warschau und 1 in Jozefow. Für den Druck ohne Akzente (טעמים) wird pro Druckbogen bei 1000 Exemplaren 8 Rb. (== Rubel) für vokalisierten Druck 10 Rb. gezahlt. Der Preis der Bücher wird pro Druckbogen ohne Akzente auf 1y2 Kop., mit Akzente auf 1y3 Kop. berechnet. In allen 5 Druckereien sind als Setzer, Drucker, Korrektoren u. a. (außer Buchbindern) 80 Mann beschäftigt, die zusammen mit ihren Familien einige Hundert Seelen ausmachen. Jährlich werden etwa 3000 Ries Papier bedruckt. Im Gegensatz zu seinem Bruder Wolf Tugendhold, dem Zensor in Wilna, der vor 20 Jahren die Einführung des Monopols für jüdische Druckereien vorgeschlagen hatte, kämpfte jetzt der Warschauer Zensor Jakob Tugendhold gegen ein solches Vorhaben der Regierung in bezug auf Kongreßpolen. Die Praxis hatte ja inzwischen gezeigt, daß die Einschränkung des jüdischen Buchdruckes, die zur Bekämpfung der chassidischen Literatur und somit zum Vorteil der Aufklärung dienen sollte, dieser Aufklärung noch in weit größerem Maße geschadet hatte. Die Besitzer der wenigen monopolisierten Druckereien waren ja gleichsam die Diktatoren des jüdischen Büchermarktes und druckten nur solche Bücher, die ihrer Ansicht nach ־von Wert waren. Die Druckereien in Wilna und Zitomir lagen nun in Händen orthodoxer Juden und ließen kaum ein Buch eines Aufklärers erscheinen. Alle Bemühungen der letzteren stießen auf den Widerstand der Druckereibesitzer und ihre Manuskripte blieben ungedruckt, wenn sie es nicht vorzogen, ihre Werke in Polen oder im Auslande drucken zu lassen1. Deshalb wollte Tugendhold wahrscheinlich nicht zulassen, daß sich in Polen dieselben Verhältnisse wie in Rußland ausbildeten. Die Schließung der polnischen Druckereien, meint er, würde die dort beschäftigten 80 Familien brotlos machen. Von Polen würden nach Rußland keine jüdischen Bücher 1 Vgl. J. Ginsburg in: Philologische Schriften des Jidd.-Wiss. Instituts II S. 45 f.

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