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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 4 · p. Seite 294

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
Date
1933-01-01
Page
Seite 294 (sequence 22)
Language
German
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294 B. Weinryb gestalten wollten1. Interessant ist ein Bericht dieser Zensoren, aus dem man sich ein Bild von den damaligen Zensurverhältnissen in Kongreßpolen machen kann. ״Die hebräisclie Literatur“, heißt es dort, ״hat im Zensurkomitee am meisten Arbeit erfordert. Im Wunsche, der Regierung zur Erfüllung ihrer Absichten den Juden gegenüber zu helfen, und gestützt auf langjährige Praxis haben die Zensoren in umfangreichen Rapporten über hebräische Bücher und Handschriften nicht nur auf jene Stellen, die man zu beseitigen oder zu modifizieren hat, hingewiesen, sondern haben auch auf einzelne Ausdrücke, die Überlegung erfordern, aufmerksam gemacht.“ Zu den ersteren gehören solche Stellen, a) die unverstellt gegen Christen und Christentum gewendet sind,' b) die bei den finsteren .jüdischen Massen den Anschein erwecken können, im Christentum seien Überreste des Heidentums verblieben, c) Stellen, aus denen man übermäßigen nationalen Stolz spüren kann, d) die Anschein erwecken könnten, die Vorschriften gegen die Heiden könnten sich auch auf Christen beziehen, e) alle Sätze, die die Juden zu der falschen und schädlichen Meinung bringen könnten, die Vorschriften der Bibel und anderen Literatur über die jüdische zivile (auch in bezug auf Mann und Frau) und strafrechtliche Gerichtsbarkeit hätten noch jetzt einen praktischen Wert, f) die gegen Beschäftigung mit Bildung, Landwirtschaft und Handwerk sprächen. Andererseits entfernte man solche Stellen, die die wahrhaften Grundlagen der Religion und Frömmigkeit verletzten. ,,Das ,ist ja eine unumstößliche Wahrheit, die durch eine jahrhundertiange Praxis bestätigt wurde, daß der kleinste Rationalismus zu viel schlimmeren und schädlicheren Folgen für den Monarchismus und die Gesellschaft führt als übertriebene Bigotterie und Aberglaube, die mit der oder jener Religion verbunden sind.“ Überall habe man die Ausdrücke עבודה זרה, עכו״ם und גוי mit עבודת גלולים und איבו יהודי vertauscht. Man habe sich aber nicht nur mit dem Streichen begnügt, sondern habe versucht, hauptsächlich in den Kommentaren, exegetischen und anderen Werken der rabbinischen Literatur Anmerkungen zuzufügen, die zur Stärkung des ,,heiligen, monarchistischen Prinzips“, zur Ausführung der Verordnungen der Regierung und zur Liebe in bezug auf die Nichtjuden führen sollten. In der Mischnahausgabe, die im Jahre 1851—52 in Warschau erschien, entfernte man nicht nur die in Fragve kommenden Stellen und fügte andere zu, sondern schickte auch noch eine hebräische Einleitung voraus, die in der der Regierung genehmen Richtung instruieren sollte. Diese Einleitung war aber in solchem Ton gehalten, daß man sie nicht als Neuerung ansah, sondern denken konnte, sie sei von dem alten sehr geschätzten geistigen Führer geschrieben. Zum Schluß versichern die Zensoren noch einmal, daß sie beim Zensurieren der Regierung bei ihren Plänen betreffs der Juden helfen wollten, andererseits 1 Im Gegensatz zu den Absichten der Rabbinerkommission, die das ältere jüdische Schrifttum unantastbar für die Zensur erklärte. (Evrejskaja Enciklopedia XIII, S. 234. r-

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