Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 293 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen 293 somit von vornherein allen möglichen Erschwerungen der Zensur ihre Zu- Stimmung. In einem anderen Schriftstück — deutsch, mit hebräischen Buchstaben — bezeugt Tugendhold, daß er und Gzersker ״stets nach einem Geiste handelten“ und ist bereit, ״jeder Antwort dieses Kollegen“ zuzustimmen. Anscheinend haben sich die Gegensätze zwischen Tugendhold und Gzersker mit der Zeit gemildert oder man wollte trotz der Feindschaft wenigstens nach außen hin Zusammenhalten. Im selben Schriftstück machen die Zensoren noch folgende charakteristische Bemerkung: ״Dort, wo sich die Rabbinerkommission gegen deutsche Übersetzungen der traditionellen Werke aussprach, sei den von ihnen angegebenen Gründen noch dieser hinzuzufügen: die Hohe Behörde möchte in ihrer weisen Ansicht erwägen, daß die Verbreitung des deutschen Prinzips unter dem hebräischen Volke im Imperium und im Königreich Polen in manch wichtiger Hinsicht schädliehe Folgen nach sich ziehen könne. Die Verbreitung der russischen Sprache hingegen könne von bestem Einflüsse sein.“ Zu jener Zeit begann man sich schon in den Kreisen der jüdischen Aufklärer in Rußland vom ,,Berliner“ Einfluß zu befreien und sich auf die Landessprache einzustellen. Die Warschauer Zensoren, die in einem Lande mit vorherrschend polnischer Sprache lebten, hatten entsprechend der russifizierenden Tendenz der russischen Regierung ihre Meinung in dieser Richtung gefärbt. Anscheinend sind die Beratungen in Petersburg sehr planlos geführt worden. Die Zensoren sind längere Zeit dort geblieben und mußten erst ein besonderes Gesuch (datiert 1. Nov. 1852) einreichen, man solle ihnen die Rückkehr nach Warschau erlauben, da ihnen in Petersburg Luft und Wasser schadeten und die Tochter eines Zensors an Cholera erkrankt sei. In Petersburg selbst legte man neben dem Zensurprojekt den Zensoren noch einige andere Fragen vor1. Aus den erwähnten Schriftstücken kann man ersehen, daß die Warschauer Zensoren die Zensur für jüdische Bücher noch strenger als bisher 1 1. Sind diejenigen Stellen im Talmud, die nach Lips gegen die Grundlagen des Christentums gerichtet sind, nicht mittelalterliche oder sogar noch spätere Einschaltungen der Juden, die durch die Verfolgungen erbittert waren, ähnlich wie man solches im Maimonides in der Amsterdamer Ausgabe, die gegen Ende des vorigen Jahrhunderts erschienen ist, findet. 2. Worin liegt der Sinn der jüdischen Gesetze in Bezug auf den unbedingten Gehorsam den Rabbinern gegenüber und der Macht der letzteren? 3. Bei welchen Büchern kann man annehmen, daß das dort gebrauchte Wort ״Akum“ sich nicht auf die Christen bezieht? 4. Findet sich im ursprünglichen Text des Talmuds das Wort ,,akum“ oder kam es erst im Mittelalter während der Judenverfolgungen in Gebrauch?