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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 4 · p. Seite 290

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
Date
1933-01-01
Page
Seite 290 (sequence 18)
Language
German
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290 B. Weinryb zu entlassen, ihn vor Gericht zu stellen und sein Vermögen zu konfiszieren, um damit den Schaden, den der Drucker durch die vernichtete Auflage erleiden würde, zu ersetzen. Nur weil der Statthalter sich für die Angelegenheit interessierte und sie dem Zensur-Komitee übergab, konnte Tugendhold diesem Plan begegnen; als Mitglied des Komitees erfuhr er selbstverständlich von dieser Denunziation und konnte sich schriftlich und mündlich rechtfertigen* 1. Derselbe Czersker suchte auch in anderen Fällen seine Abneigung gegen die Juden zu zeigen. Ungefähr seit der Entstehung des Monopols für jüdische Druckereien in Rußland und der strengen Durchsicht der jüdischen Bücher durch die Zensoren in Wilno und Kiev war es in Polen erlaubt, die landesüblichen jüdischen Büchei, wie Pentateuch und Gebetbücher, aus den in Rußland zensurieiten Ausgaben überzudrucken, bezw. solche von dort zu beziehen. Sie brauchten dann hier nur von der Zensur abgestempelt zu werden. Als Czersker zum Zensor ernannt wurde, verweigerte er die Abstempelung solcher Bücher, bis der Kurator es ihm befahl. Als kurze Zeit darauf (1843) in Polen Gebetbücher nach den in Rußland erlaubten Editionen der Zensur zur Ab- ״Stempelung Vorlagen, weigerte sich Czersker wieder die Ab- Stempelung' vorzunehmen und übergab der Regierung eine Liste von 120 beanstandeten Stellen, die sich in diesen Gebetbüchern befinden sollten. Tugendhold gab zwar zu, daß man vielleicht etwa 20 Stellen beanstanden und bei weiteren Editionen weglassen könne, dagegen seien aber die übrigen 100 Stellen nur alte Legenden des in der Bibel häufigen■ Typs (Lot und seine Töchter, Juda und Tamar u. ä.). Dieses Mal schloß sich die Behörde der Meinung Tugendholds an und gab die schon gedruckten Bücher frei. Die Denunziationen Czerskers und seine Schikanen nahmen aber kein Ende und er bemühte sich mit allen Mitteln, den hebräischen Büchern zu schaden2. Jesu sei zweifelhaft. Zu entfernen, seien noch die Stellen auf P. 11: Alfons und Thomas über den Sabbath, P. 13: Alfons und Thomas über den Tod des Gottessohnes, P. 18 wird im J. 1490 eine allgemeine Verfolgung der Juden angegeben, P. 19b, die Predigt des Pfarrers; P. 23, Der Beichtvater verliebt sich in eine Jüdin. . 1 Tugendhold-Akten Bd. 2. 2 Für den außerhalb Polens lebenden Juden galt daher das Land für hebräische׳ Bücher verschlossen und in seinen Gesetzen sonderbar.

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