Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 285 (sequence 13)
- Language
- German
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Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen 285 Betriebe nicht auf eine gewisse Höhe bringen konnten. Die Druckerei in Jözefow brachte jährlich 1—2 Bücher heraus; nur im Jahre 1837■konnten 5 Bücher herausgegeben werden1, worunter sich schon eines der Aufklärungsliteratur befand (Gedichte von A. B. Gotlober). Ein Jahr darauf erschien in der Druckerei ein einziges Buch. Die Ausstattung der Drucke war hier sehr schlecht; das Papier ist bald grau, bald bläulich, manchmal variieren in ein und demselben Buche beide Papiersorten; Buchstaben und Farbe lassen viel zu wünschen übrig. In Warschau kam zwar zu den schon vorhandenen jüdischen Buchdruckereien noch die Dyhernfurther zu, die ihr Besitzer, David Sldower, 1832 hierher verlegt hatte2. Trotzdem konnte aus Mangel an technischer Vollständigkeit bei weitem nicht der ganze Bedarf an jüdischen Büchern bei der jüdischen, etwa 400000 Seelen starken, Bevölkerung gedeckt werden. Zunächst führte man aus Rußland —־ so aus Wilna — nach Polen hebräische Bücher ein. Aber auch aus dem Auslande wurde trotz des Verbotes eingeführt; wie es scheint, Waren Rödelheimer und andere deutsche Drucke in Polen sehr begehrt. In einem Brief vom 24. Juli 18363 an Markus Jost, mit dem er in freundschaftlichen Beziehungen4 stand, spricht Tugendhold von 25—30 Exemplaren einer Mischnaausgabe, die Jost ihm zuschicken solle. Außerdem bittet er ihn, sich nach dem Preis von Rödelheimer Machsorim zu erkundigen. Sein Schwiegervater beabsichtige solche einzukaufen und den Rein verdienst Tugendhold zukommen zu lassen. Er, Tugendhold selbst, habe sich schon an die Regierung um Erlaubnis zur Einfuhr von 1000 Exemplaren gewandt. Er bittet um volle Diskretion, damit er der Druckerei in Wilna, die eine Neuauflage der Rödelheimer Machsorim plane, zu- Vorkommen könne5. Während also Tugendhold sich um die Er- 1 Zum Vergleich soll nur erwähnt werden, daß in Rußland um dieselbe Zeit etwa 40—50 Neuerscheinungen jährlich die Zensur passiert haben. (Vgl. Evrejskaja Enciklopedia, XIV, 855)., . 2 ז Friedberg, a. a. Q., S. 14. 3 Tugendhold-Akten. (Geschrieben .deutsch mit hebräischen Buch« staben, manchmal mit hebräischen Ausdrücken durchsetzt.) 4 Sie korrespondierten auch in gesellschaftlichen und privaten Angelegenheiten. Einige Briefe sind in ZGJD IV 202 f. von mir veröffentlicht. 5 Es wurde scheinbar eine spezielle Auflage der Rödelheimer.Machsorim für Polen hergestellt. (Vorhanden eine Ausgabe mit der Bemerkung Tugend■;