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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 4 · p. Seite 284

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
Date
1933-01-01
Page
Seite 284 (sequence 12)
Language
German
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284 Bi Weinryb jüdischen Druckereien in Rußland (außer Kongreßpolen) bis auf zwei (Wilna und Kiev) und die Abstempelung aller jüdischen Bücher anbefahl1. Die Zensoren selbst waren der Meinung, man müsse, in Polen die Zensur strenger als im übrigen Rußland handhaben. So schrieb Jakob Tugendhold Anfang , der 40er Jahre an den Kurator, die in Wilna und Kiev zensurierten Bücher dürften nicht nach Polen eingeführt werden, bzw. sie'müßten hier noch einmal zensuriert werden. In solcher Atmosphäre von .Strenge, Erschwerungen und Ver~ dacht mußten Verleumdungen jeder Art einen guten Boden finden. Die Zensoren rivalisierten unter sich und jeder bemühte sich, den anderen bei den Behörden durch Denunziationen zu diskreditieren. Außerdem ließen es auch die privaten Feinde der Zensoren, wie der Juden überhaupt, nicht an Verleumdungen und Denunziationen fehlen. So mußte der Zensor jedesmal sehr vorsichtig sein und auch solche Stellen streichen,; die an sich harmlos waren, die aber ihrer Zweideutigkeit wegen vielleicht als Waffe gegen ihn ausgenutzt werden konnten. ..Im Sommer 1887 wurde bei den Behörden eine schriftliche Beschwerde überdie Zensur eingereicht: Im Machsor, derdiese Zensur passiert, habe, befänden sich Stellen wie die Gebete מלך אביון und 2מעשה אבוש ומחבלותיו, die an den hohen Feiertagen gesagt würden und den Monarchen überhaupt und den russischen im besonderen verspotteten und verlachten. In der Kommission (Ministerium) für.Innere und Kultusangelegenheiten nahm man diese Anzeige sehr ernst und wollte die Machsorim aller Juden Polens auf Kosten der jüdischen Gemeinden nach Warschau bringen lassen, um dort'die betreffenden Blätter aus den Büchern entfernen zu können. Tugendbold erfuhr von dieser Beschwerde und es gelang ihm, die Behörden von der richtigen Bedeutung dieser jüdischen Gebete zu überzeugen und nach zuweisen, daß es sich nur um eine Verleumdung handele3. Später wurde bei den Machsorim, die für Polen gedruckt waren, neben den Piut מלך אביון, eine Bemerkung des Zensors über die Bedeutung dieses Gebetes beigedruckt. Trotz aller Strenge ־and Verfolgungen der Zensur führte man jedoch jüdische Bücher von auswärts ein. In Polen befanden sich in den 30er Jahren nur in 2 Orten jüdische Druckereien: in Warschau und Jozefow. Ihre Inhaber waren arme Leute, die ihre 1 Levanda a. a. O. Nr. 334. 2 Davidsohn: Thesaurus of mediaevalhebrew poetry, III, New York 1931, S. 139, 145, 163. 3 Tugend hold-Akten, Bd. IL Einzelheiten vgl. Weinryb:• A bilbul Ofen Melech ewjon in: Hajnt (Warschau), 1931, Nr. 218.

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