Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 9)
- Language
- German
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Zur Geschichte des Buchdruckes •und der Zensur hei den Juden in Polen 281großes Interesse dafür. In Breslau, wohin er1 einige Jahre nach seiner Verheiratung geflohen war, um profane Wissenschaften zu erlernen, war T. ganz dem Einfluß der jüdischen Aufklärung in Preußen unterlegen. Jetzt, in Warschau, geriet er als Organisator der polnischen Schulen für die jüdische Jugend schnell in Gegensatz zyx den dort lebenden überwiegend orthodoxen Juden. Dieser Gegensatz wurde 1821 sio scharf, daß man ihn heimlich in den Bann tat, hebräisch geschriebene Bekanntmachungen darüber an den Straßen anklebte und ihm sogar — wie behauptet wird -— nach dem Leben trachtete. Behörden und Polizei wurden angewiesen, ihn in besonderen Schutz zu nehmen und ihm bei jeder Gefahr zu Hilfe zu eilen2. Er mußte seines Schulinspektoramtes enthoben werden und wurde zum Mitglied des Zensurkomitees ernannt. Die in Frage kommenden Bücher entstammten fast ausschließlieh dem Rabbinismus oder dem Chassidismus, von dem auch der Aufklärer Tugendhold keine, viel bessere Meinung als die Nichtjuden hatte. Auch noch in späteren Jahren war er in solchen Fällen für eine scharfe Zensur. Übrigens bemühte sich einige Jahre später (1826) auch der Besitzer der jüdischen Druckerei in Jozefow (im Kreise Lublin), Jesaja Wachs, um ein solches Einfuhrverbot für jüdische Bücher aus Rußland, hauptsächlich aus Slavuta. Wachs, der im J. 1822 seine Druckerei begründet hatte, machte man solche Schwierigkeiten, daß er tatsächlich kaum mit Rußland konkurrieren konnte. Bei jeder Drucklegung mußte er zunächst die betreffende Handschrift der Zensurstelle in Warschau zur Prüfung vorlegen.' Die gedruckten Exemplare wieder mußte er vom Druckort, der weit von der Hauptstadt entfernt war, zur nochmaligen Prüfung nach Warschau bringen. Alle seine Eingaben um Erleichterung dieser Prozedur, die teilweise durch den Grafen Zamojski unterstützt wurden, blieben erfolglos3. Bei solcher scharfen Aufsicht über die Neudrucke hebräischer Bücher machte man sich in Regierungskreisen auch daran, die schon vorhandenen, aus dem Auslande stammenden hebräischen Bücher durch die Zensur durchsehen und die zugelassenen vom Zensor abstempeln zu lassen. Jeder war verpflichtet, alle seine 1 Genaueres über Jakob Tugendhold und seine Tätigkeit in Warschau in meiner Arbeit in: MGWJ 1982, S. 145 ff. 2 Tugendhold-Akten, Bd. 7. 3 Vgl. Balaban in S. B. III, 30—31, wo er nach Gg׳siorowska (Kwartalnik. a. a. O.) diese Tatsache ausführlich erzählt.