Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte des Buchdruckes und der Zensur bei den Juden in Polen
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 280 (sequence 8)
- Language
- German
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280 -, ־; •־ B. Weinryb aus Italien kommende Pater Ludwik Chiarini1, Professor der Kirchengeschichte in Warschau, zum Zensurinspektor für hebräische Bücher ernannt. Ein Jahr später wurde er auch zum Vorsitzenden des neugegründeten Zensur-Komitees für jüdische hebräisch-rabbinische Bücher und zum Vorsitzenden des sogenannten jüdischen Komitees bestimmt2. Der Antisemitismus Chiarinis mußte die schon ohnehin feindselige Stellungnahme der Kommission (Ministerium) für Kultus und Unterrichtswesen den jüdischen Büchern gegenüber natürlich noch verschärfen. So nimmt es gar nicht Wunder, daßsich die Kommission anfangs 1823 an den Statthalter wandte, um ein spezielles Verbot für die Einfuhr jüdischer Bücher aus Rußland! zu erwirken. Es ist allgemein bekannt — heißt es dort —, daß jüdische Bücher im allgemeinen gewöhnlich Grundsätze enthalten, die nicht nur mit Intoleranz und Haß, sondern sogar mit Verachtung aller anderen Religionen״ hauptsächlich der katholischen, gegen die christlichen Monarchen und Regierungen gerichtet sind. Davon sind auch solche Bücher nicht frei:, die die Wilnaer Zensur passiert haben. Daher soll ihre Einfuhr nach ׳Polen verboten werden. Weiter will man in diesem Schreiben das verlangte Verbot damit begründen, daß in Rußland Bücher in litauischem Jiddisch gedruckt würden, das in Polen nicht verstanden werde.. Außerdem müsse die Regierung erstreben, daß die Juden mit der Zeit alle Bücher in der Landessprache drucken ließen. Die Kommission wolle daher, daß die jüdischen Druckereien nur in der Hauptstadt neben der Zensurverwaltung konzentriert würden; man solle zunächst hebräisch und polnisch drucken, .mit der Zeit aber solle das Hebräische schwinden und nur der polnische Text übrig bleiben3. Nur aus fiskalischen Gründen — die Finanzkommission wollte nicht die Zolleinnahmen aus der Büchereinfuhr einbüßen — kam dieses Verbot nicht zustande. Bei solcher Lage konnten auch das im J. 1822 ernannte j üdische Mitglied des Zensurkomitees, der Mathematiker Abraham Stern, und der Referent und Sekretär des Komitees, Jakob Tugendhold, wenig zur Erleichterung des jüdischen Buchdruckes und Buchhandeis beitragen. Übrigens hatte der letztere auch gar kein allzu 1 Über ihn vgl. H. Nußbaum: Szkice hist, z zycia Zydow w Warszawie, Warschau 1881, S. 56—58. 2 Vgl. Balaban in: S. B, III 30. 3 G%siorowska a. a. O. S. 5ל.