Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neue Spuk- und Zauberliteratur [Rezension]
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
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242 Max Grunwald bekämpft (187). Bei den Armeniern heißt diese ״Ai“, bei den Griechen ״Gello“ (Gellu)1, bei den Kassen ״Fieber“, bei den Südslawen und Germanen ״Mahr“. ״Wohin die Legende kam, drangen einheimische Kindbettdämonen und ähnliche Gestalten“ hinein. Zur Erklärung des Namens Karina geht W. von der koranischen Be- Zeichnung ״karin“ für ״Gefährte“ aus, in die später die Bedeutung eines überirdischen Doppelgängers hineininterpretiert wurde (70). Daß in karin gerade das ״Ka“ der alten Ägypter weiterlebe, hält W. für unwahrscheinlich (73). Seit ihrer Verstoßung aus dem Himmel, weil sie, von Iblis betört, dem Adam nicht sich unterordnen wollte, trägt sie den Namen Karina, d. h. Verbündete und Gefährtin des Iblis2. Es wuchs ihr Haß gegen alles, was sich Mensch nennt. Sie lauert den Adamskindern auf und fügt ihnen bei ihrer Geburt und besonders neugeborenen Knaben Schaden zu. Deshalb schütze jeder die Wöchnerin und das Kind mit allen möglichen Mitteln, wie Knoblauchwurzeln, Quadraten3 aus Salz und grünem Reis. In der Nacht versucht die Karina das Kind zu erwürgen und die Mutter mit Wahnsinn zu schlagen. Nach jener Legende wäre Adam das Prototyp des Helden, der die eigene Schwester zu bekämpfen hat. Als jüdische Varianten der von Winkler angeführten Beschwörungstexte seien die folgenden hier erwähnt: Im 7. Monate der Schwangerschaft gehe die Frau zu einem Mandelbäum mit reifen Früchten, mit einer neuen Axt schlage sie ein Loch hinein, in das sie ihre abgeschnittenen Finger- und Zehennägel und einige Kopfhaare legt. Ihr Begleiter spreche: ״Ich beschwöre dich, Lippe der Unreinheit, und dein Gefolge, daß ihr nicht aus diesem Loche herauskommt“. Sie selbst sage: Ich beschwöre dich, du verfluchtes Gift, und 1 Oder Antaura (Der römische Limes in Österreich XVI, vgl. Hovorka- Kronfeld, Volksmedizin II 194). 2 Der (= Belija‘al) aus demselben Grunde aus dem Himmel verwiesen wurde, vgl. Bousset-Gressmann: 336. Über Lilit vgl. Dacquö, Urwelt 272 und meinen Aufsatz ״Lilit“ usw. AR a. a. O. 3 Magische Quadrate: Gaster, Studies 129, Bischof! a. a. O. MJV 60, 78 mit Num 25g als hebräisches Amulett im Germanischen Museum und oben; ״Told“ findet sich eines zum Schutz der Wöchnerin (1, 15, 14, 4 usw. mit der Summe 34, wohl wegen I’d ־= leda ״Geburt“;. Westermarck, Marocco I 144, Seligmann, Der böse Blick II 266, 429; ein anderes aus Ps 13916 (golmi ra’u ‘eneka], eines auch auf Dürers Melencholia. Das magische Quadrat bei Steinschneider,. Pseudepigraphische Literatur 25 mit den Buchstaben a, נ ,ש—ל und לא על אנש =) עש aus dem Berik semeh?) erinnert an die von mir MGWJ 1929 S. 369 wiedergegebenen לא איש אל ל ,י ,ש ,א Num 239ב; im allgemeinen: Maass, Magische Quadrate in Zs für Ethnologie XLVII1 (1916) 232; Ahrens, Hebräische Amulette. Auch die orientalischen Juden bewachen wegen der Karina acht Tage nach der Geburt Mutter und Kind.