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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 3 · p. Seite 221

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 3
Article
Die Echtheit des undatierten Privilegs der großpolnischen Judenschaft
Date
1933-01-01
Page
Seite 221 (sequence 11)
Language
German
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IRI
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Die Echtheit des undatierten Privilegs der großpolnischen Judenschaft 221 Anschauung von Helcel vor Augen halten und daraus die weitere Konsequenz ziehen, daß im Jahre 1347 der Adel de facto einen Beschluß gegen jüdische Darlehen auf Hypotheken gefaßt hat, im Jahre 1368 dagegen ganz davon Abstand nimmt, so wird das Argument von Hube ein starkes Argument gegen ihn, ein Argument für die Echtheit des Boleslaus-Kasimirschen Statuts. Denn wir sehen, daß sich sogar der Adel mit der Tatsache, daß Juden Geld auf Hypotheken und Pfandbriefe leihen dürfen, abgefunden und auf dem Reichstage zu Wislica im Jahre 1368 seine Beschlüsse allein auf die Festsetzung des Prozentsatzes auf einen halben Groschen wöchentlich beschränkt hat, was auch teilweise im Boleslaus- Kasimirschen Statut (§ 32) berücksichtigt wurde. Noch eindringlicher, als die Beweiskraft der Gesetzestheorie der Statuten, ist die der Rechtspraxis. Die Gerichtsbücher von jGroßpolen aus den Jahren 1386—13991 zeigen — wie Bloch2 3 mit Recht betont —, daß die Juden tatsächlich gegen Hypotheken Darlehen gewährten und daß ihnen von den Gerichtsbehörden auch das Recht eingeräumt wurde, verpfändete Güter in Besitz zu nehmen, wenn sie am Verfallstermine nicht eingelöst wurden. Die Beispiele, die Bloch aus den ältesten Großpolnischen Grodbüchern nennt, lassen sich vielfach vermehren. Bei allen Gerichts- Verhandlungen wiederholt sich fast regelmäßig: ,,sicut ipsius litera declarabit‘f3, ,,sicut sua litera potest demonstrare“4, ,,prout sua litera cantabit“5 6, ,,prout in literis continetur“*, oder ,,debet litoram exebrigare a Judeis“7. Auch bezeugen Gerichtsurteile von Gnesen und Kosten deutlich,. daß Juden verpfändete Güter, die am Verfallstermine nicht eingelöst wurden, übernahmen. So besagt z. B. ein Urteil aus Gnesen vom Jahre 13998: ״Si idem Kusz dicto Judeo non solverit predictas pecunias tune idem Kusz debet predictum Judeum intromi ttere: in hereditatem Wiri 1 I. v. Lekszycki: Die ältesten Großpolnischen Grodbücher, 2 Bd. (Bd. 31 u. 38 der Publikationen aus dem kgl. preußischen Staatsarchiv.) 2 P h. Bloch: Generalprivilegien der polnischen Judenschaft S. 85. 3 Lekszycki: Großpolnischen Grodbücher, I 1396 Nr. 2101. 4 Idem: Ibidem I 1397 Nr. 2309. 5 Idem: Ibidem I 1390 Nr. 810. 6 Idem: Ibidem I 1390 Nr. 783. 7 Idem: Ibidem I 1393 Nr. 1662. 8 Idem: Ibidem II (Gnesen) 1399 Nr. 1188.

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