Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 12)
- Language
- German
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Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu 209 Und wenn Krauß sich schmeichelt, er habe die abfälligen Urteile verstummen machen, und ich sei der einzige, dem er diese Unart noch nicht abgewöhnt hat, so muß ich diesen Wahn zerstreuen. Schon in seinem eigenen Werke (Leben, 154 ff.), als er nachweisen wollte, T. J. sei keine Schmähschrift, hatte er sich des Widerspruchs seiner beiden Mitarbeiter Strack und Erich Bischoff zu erwehren. Oskar Dähnhardt, ein durchaus unbefangener Forscher, der das Werk von Krauß stark benützt, spricht noch immer von einer ,,jüdischen Schmähschrift'“ (Natursagen, 1909, II 213), Klausner von ״Schmähungen solcher Bücher wie T. J." (Jesus von Nazareth, 1930, 10)1. Isr. Levi schaut mitleidig lächelnd auf ״dieses armselige Schrifttum, dessen Vortrag nicht mehr taugt als seine Vor- Stellungskraft1“ (REJ. 1931, XCI, 136), ״auf diesen Ausschnitt falscher Geschichte, von dem sich bloß die Neugierde angezogen fühlt" (152). Sein Urteil setzt also die Wertung fort, welche Mendelssohn, Grätz, Güdemann am T. J. übten. Krauß wird nicht müde zu verkünden, daß wer das T. J. verurteilt, auch die christenfeindlichen Äußerungen des Talmuds verurteilen muß. Dagegen läßt sich manches ein wenden. Erinnern wir an die Aggada, wo der durch Totenbeschwörung aus der Unterwelt hervorgerufene Bileam ,dem Akylas rät, alles gegen Israel zu unternehmen, Jesus hingegen ihn mahnt: Suche Israels Heil, meide sein Unheil; wer Israel antastet, der ist,, als tastete er seinen eigenen Augapfel an. So himmelhoch — schließt die Aggada — stehen die Abtrünnigen in Israel (wie Jesus) über den Heidenpropheten (Gittin, 56b, 57a). Dennoch stehe ich nicht an zu bekennen, daß hier talmudische Äußerungen mehr als einmal die Grenzen überschreiten, welche unser Geschmack ziehen möchte. Für dieses Urteil berufe ich mich auf eine hohe Autorität: auf R. Jehuda Hanassi. Tossifta und Baraita bewahren manchen Ausfall gegen Jesus und Christentum, die Mischna keinen einzigen. Von der Mischna Jebamoth IV 13 gibt auch Strack zu, איש פלרבי־ ממזד gehe nicht auf Jesus. Es bliebe die Mischna Sanh. X 2, wo Bileam (mit Doeg, Achitofel und Gehazi) aus dem ewigen Leben ausgeschlossen wird. Recht verbreitet ist wohl die Vermutung, 1 Klausner, mit dessen Anerkennung sieh Krauß (1932, 5863) rühmt, nimmt Stellung gegen die Ansetzung des T. J. vor dem X. Jhdt. (Jesus, 65). Monatsschrift, 77• Jahrgang 14