Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 13)
- Language
- German
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210 M. Gaster Bileam sei der Decknamen für Jesus, doch Friedlaender, Bachei und L. Ginzberg (Legends VI 123 f. 22, VI 144 f. 8, 55, VI 241, 100, Ginze Schechter I 325), Klausner (Jesus 35 ff.) dürften daiin Recht behalten, daß Bileam nur den biblischen Propheten bezeichnet. In der Mischna verliert sich dadurch־ die letzte Spur einer Polemik gegen Jesus. R. Jehuda Hanassi, dem von judenchiistlichen Polemikern arg zugesetzt worden (Chullin, 87a), hat also der antichristlichen Polemik keinen Raum in der Mischna gewährt1. Abn oder Ibn in hebräischen Namen? Von M. Gaster in London. Die Form ibn in hebräischen Namen ist von Steinschneider eingeführt worden und hat sich durch meine Freunde Kaufmann und Bacher vollständig eingebürgert. Sie beruht aber, wie ich glaube, auf einer falschen Analogie; es dürfte sogar zweifelhaft sein, ob die Araber, wenigstens in Spanien, das Wort als ibn ausgesprochen haben; es ist viel wahrscheinlicher, daß sie abn, awn gesprochen haben; denn die Bildungen Avicenna und Averroes sind nur als Umschreibangen von Abn Sina und Abn Roschd zu verstehen. Daher wird Abn Esra zu Abn Soar, Abn Gabirol (ausgesprochen Dschebirol, da es im Arabischen kein eigentliches g gibt) erscheint als Aben Dschebron oder Awen Dschebron. Jedenfalls zeigt sich hier keine Spur von ibn. 1 Für Krauß’ Sachlichkeit nur ein Beispiel: das von der Gans, uni welche Jesus Petrus und Judas sich bewerben und die von Judas verzehrt wird. Krauß (Leben, 162) gibt nach vergeblichen Erklärungsversuchen zu: ,,Vielmehr haben wir hier ein Motiv der Folklore zu erblicken.“ Darauf habe ich auf die verschiedenen Fassungen des Märchens vom schönsten Traum hingewiesen. Nachdem ich methodisch bestätigte, was Krauß richtig ahnte, durfte ich doch hoffen, ihn zufrieden zu stellen. Weit gefehlt.; Er wird, wie gewöhnlich, heftig: ,,Ich war früher daran als Heller, dieses Stück als Folklore zu erklären.“ Und gleich darauf noch eine weitere Rüge :/ ,,Ich weiß nicht, warum er nicht den. älteren Gaston Paris hat . . . . und lieberden jüngeren R. Basset anführt.“ Nun verweist.man doch womöglich auf die jüngste, umfassendste wissenschaftliche Bearbeitung eines Stoffes, eher auf eine aus dem Jahre 1924/25, als auf eine aus 1884 (die Basset natürlich anführt); überdies handelt es sich um,eine arabische Erzählung* für die Basset als spruchbefugter Fachkenner gilt.