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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 3 · p. Seite 207

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 3
Article
Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu
Date
1933-01-01
Page
Seite 207 (sequence 10)
Language
German
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Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu 207 erhellt gamicht, ob das H. E. des Apostels Judas und Paulus gedenkt, denen im T. J. bedeutsame Aufgaben zufallen. Eines jedoch wird aus den Bruchstücken klar: Im H. E. ist der Heilige Geist nicht (wie in den kanonischen Evangelien) der Vater Jesu, sondern seine Mutter. Nun aber schwelgen alle T. J., deren Anfang uns bekannt ist, auch Ms. aus Yemen (Leben, 118), aus Persien (140) in der Ausmalung der Verführung Mirjams. Ist aber die Mutter der Heilige Geist, dann läßt sich eine Verführungsgeschichte gamicht vorstellen. Wenn also irgend ein Evangelium zur bekämpften Vorlage des T. J. gamicht taugt, so ist es eben das H. E. Über den Ort der Abfassung hat Prof. Krauß seine Anschauung geändert. In seinem ,,Leben Jesu" (272) verlegte er die Abfassung nach Italien, wofür ja manches zu sprechen schien. Die seither erschienenen aram. Texte (an deren Veröffentlichung er ja verdienstvollen Anteil hat) veranlassen ihn zu der Auffassung: ,,die Ur-Toldot liegen frei vor uns in den mannigfachen aram. Texten" (1933, 56)1. Von diesen nun lehrt er: ,,Alle Texte dieser Art stammen aus mohammedanischem Kulturgebiete" (1933, 45). Nun aber kommt das muh. Kulturgebiet als Pflanzstätte jüdischen Schrifttums doch kaum vor Al Mukammis und Saadja in Betracht, es sei denn, die Juden unter islamischer Herrschaft hätten keine dringendere Aufgabe gekannt als eine Streitschrift gegen Jesus zu verfassen. Demnach könnte doch das Ur-Toldot nicht vor das 8.—10. Jdht. angesetzt werden. So vertragen sich denn bei Krauß ziemlich widersprechende Auffassungen friedlich nebeneinander: 1. T. J. bilden Gegenstück zum H. E. (1933, 55), entstammen also dem 2.—4. Jhdt. 2. T. J. erteilen eine jüdische Antwort auf die Acta Silvestri, im 4.—5. Jhdt. (1933, 58). 3. Ur-Toldot ist im muh. Kulturkreis entstanden, demnach frühestens im 8. Jhdt. Mir scheint es zweifellos, T. J. konnte nur christlichem Boden, christlicher Umgebung erwachsen. Ohne christliche Verfolgung lag kein Anlaß zu dieser Gehässigkeit vor. Keineswegs doch unter islamischer Herrschaft. Das Aramäische spricht nicht dagegen. Ginzberg weist ja nach, T. J. (auch ,,Ur-Toldot" von Krauß) ist in gekünsteltem Aramäisch verfaßt, welches niemals gesprochen 1 S. 44 gibt K. zu, es handelt sich bloß um Bruchstücke und Fassungen desselben Grundtextes.

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