Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 9)
- Language
- German
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206 B. Heller 2. Vermutungen. Im Jahre 1902 schreibt Krauß (Leben, 1), daß T. J. ,,auf ein ehrwürdiges Alter von mindestens anderthalb Jahrtausenden zurückblicken kann/' Damit kämen wir zur Zeit um 400. Krauß begründet diese Zeitbestimmung näher. ״Da unter Sylvester allem Anschein nach in Rom eine Disputation und eine Judenverfolgung stattfand, so kennen wir auch die nächste Veranlassung des Toldot - Werkes" (244). Dagegen wendete ich ein, daß die Disputation unter Sylvester geschichtlich unbeglaubigt erscheint. Dazu Krauß (1933, 58): ״Es kommt bei den Acta Silvestri nicht darauf an, was Heller glaubt." Darauf gewiß nicht, doch darauf wohl, daß Pseudoakten einer nicht stattgefundenen Disputation keineswegs so aufregend wirken konnten, wie die geschichtlichen Disputationen, in deren Folge jüdische Bücher auf den Scheiteihaufen brannten und eine polemische Literatur entstand. Heute geht aber Prof. Kmuß ״um einen Schritt weiter, aber um einen bedeutsamen": Die T. J..- Texte in ihier aram. Form wollen ein jüdisches Gegenstück sein zum sog. Hebräer-Evangelium (1933, 54). Kühnheit läßt sich diesem Schritt nicht absprechen. Hinsichtlich des Hebräer- Evangeliums herrscht Übereinstimmung. ״Seine Abfassungszeit kann nicht später als um die Mitte des 2. Jhdt. angesetzt werden" (Hennecke, Neutestamentliche Apokryphen, 1924, 253, Knopf- Weinei, Einführung in das N. T. 1923, 129, RGG. II. 1673). Die Nachrichten über das H. E. bei den Kirchenvätern versiegen mit dem 4. Jhdt. Demnach müßte T. J. oder, sagen wir, ״Ur- Toldot" im 2. oder 3. Jhdt. entstanden sein, wäre also älter als Mischna, Tossifta, Mechilta, Sifra, Sifre, — fürwahi ״ein ehrwürdiges Alter." Und worauf stützt sich diese kühne Annahme? Einzig daiauf, daß im ״Ur-Toldot während des Luftkampfes Judas den Jesus beim Schopf faßt und im H.E. Jesus von seiner Muttei an einem seiner Haare auf den Berg Tabor getragen wird." An diesem einen Haare hängt die ganze kühne neue Theorie von Krauß. Wahrhaftig כהררים התלויין בשערה (Chag. 10 a). Dieses Haar, dieser Schopf erklärt sich doch einfacher aus Jechezkeels (VIII. 3) ויקחני בציצת ראשי, nicht zu reden vom apokryphen Bel mit den Drachen, wo der Prophet Habakuk bei seinem Haar vom Engel aus Palästina nach Babylon zu Daniels Löwengrube getragen wird. Aus den dürftigen Bruchstücken (Hennecke, 54 f.}