Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 8)
- Language
- German
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Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu 205 T. J. und garnichts was T. J. vom Wettflug, von Judas, Paulus und Petrus berichten. Krauß (Leben, 7) meint zwar: es verdient Beachtung, daß diese allererste uns bekannte Rezension auch über Petrus etwas auszusagen weiß. Was sagt aber Agobard von Petrus aus? Nur soviel: Uni propter duritiam et hebetudinem sensus Cephae id est Petrae nomen imposuerit. Jesus habe einen Schüler Kaifas, Felsen genannt, weil er einen unempfindlichen Schädel hatte, hart wie ein Felsen. Dieses boshafte Wortspiel hat ja nichts mit der Rolle des Apostels Peter im T. J. zu tun. Es ist eben ganz klar, daß Agobard nichts von dieser Rolle wußte, daß er also etwas wie das erhaltene T. J. gamicht kannte. Amolon, Agobards Nachfolger im Erzbischofsitz und im Judenhaß, weiß davon, daß die Juden Sanctos Apostolos impie immutato yocabulo apellant apostatas. Es wird also wieder auf eine Kakophemie angespielt: Die Juden nennen Jesu Jünger nicht תלמידים sondern תשמידים. Jedoch Krauß (1932, 600) findet Spuren, daß die Juden das N. T., wenn schon nicht griechisch oder lateinisch, so doch in hebräischer Übersetzung lasen, in Amolons Worten: ,,Evangelium . . . ipsi propria lingua malitiosissime immutantes vocant Havongalion." Nun aber ist doch dies nichts anderes als die talmudische Kakophemie רבי מאיר קרי ליה און גליון, יוחנן קרי ליה עון נליון so auch in der Anekdote von Rabban Gamliel und dem Leuchter, welchen der Esel umgestoßen (Sab. 116 ab). Krauß glaubt doch nicht, daß die Juden zur Zeit Rabban Gamliels und R. Meirs das Evangelium in hebräischer Übersetzung lasen? Also auch Amolon, welchen jüdische Apostaten unterrichteten, weiß nichts von den Erzählungen des T. J. Aber auch Petrus Alphonsi, selbst Apostat (getauft am 1. Januar 1106) verrät in seinem Dialogus Petri . . et Moysi Judaei (Migne, Patr. lat. 1898, CLVII, 535—672) gar keine Kenntniß des T. J., denn das von Krauß angeführte ,,dicentes eum magum et de scorto natum“ konnte Petrus doch auf Grund des ihm wohlbekannten Talmuds behaupten. Die älteste Anführung einer wesentlichen Toldot-Erzählung findet sich demnach bei Ibn Hazm (11. Jhdt.), der erzählt, Paulus habe zur Rettung der Juden das Christentum vom Judentum sauber geschieden. Eine Anspielung auf Ischariot finden wir auch bei ihm nicht.