Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 204 (sequence 7)
- Language
- German
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204 B. Heller der Legende von den durch Jesu beeideten Bäumen anzusehen sein, uncl so muß ich trotz der wiederholten Verwahrung von Krauß (1932, 589, 594) den Krautstengel ins Reich des Folklore verweisen1. IY. Wo und wann ist T. J. entstanden? 1. Tatsachen. Das Ev. Mt. 2764, 2813 bezeugt> die Juden hätten Jesu-Schüler beschuldigt, den Leichnam Jesu gestohlen zu haben, um seine Auferstehung glaubwürdig erscheinen zu lassen. Im Zeitalter der Tannaiten und Amoräer wird Jesus als unehelich, als Zauberer, als Wunderarzt geschildert. Von seinen Schülern wird weder Judas, noch Paulus, noch Petrus genannt. ,,Das älteste Zeugnis für ein von jüdischer Seite veifaßtes Leben Jesu (T. ].)“ sieht Strack (Jesus, die Häretiker und die Christen nach den ältesten jüdischen Angaben, 1910, S. 15) in Agobards ,,De Judaicis superstitionibus.“ Ähnlich Th. Reinach REJ., 1905, L. S. CVI: ,,Le travestissement de Thistoire de Jesus, c'est deja une esquisse du T. J.“ Diese Stelle bei Agobard müssen wir näher ins Auge fassen. Agobard berichtet, was die Juden in doctrinis maiorum suorum legunt, jüdische Überlieferungen über Jesus. In den Kreis des T. J. gehören zwei Einzelheiten: 1. Jesus sei von Tiberius eingekerkert worden, quod filiae ipsius cui sine viro masculi partum promiserat lapidis conceptum intulerit, ein Zug der sich auch im aramäischen T. J. findet. 2. Jesu Leichnam wird von der Wasserflut weggeschwemmt, deshalb fordert Pilatus, daß die Juden Jesus als Auferstandenen anbeten. Also die Leichnamepisode anders als im erhaltenen 1 MGWJ 1928, 515 habe ich das Folklore ins Treffen geführt zugrinsten der auch von Krauß . vorgezogenen Leseart קלח של כרוב, daß Jesus nach dem T. J. auf einem Kohlstengel gekreuzigt wurde, nicht auf einer Zypresse. Meine Beweisführung nimmt Im. Löw, Flora der Juden IV, 412 f an. Dort habe ich auch einige Literatur über den Stoff gegeben, während ich MGWJ 1932, 37 bloß von der Leyen nenne. Krauß verdächtigt mich, ich wollte den Leser irreführen ,,dieser ,,Folklorist“ lasse das ganze T. J. in dem Reiche des Folklore aufgehen.“ (1932, 589). Meine Worte lauten: ,,Beiträge zum Folklore des T. J. hat auch Fr. von der Leyen gegeben in seiner Arbeit, Das Märchen in den Göttersagen der Edda S. 23—25“. Kein unbefangener Leser kann hier herauslesen, daß eine der Edda gewidmete Arbeit das ganze T. J. folkloristisch untersucht.