Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 6)
- Language
- German
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Über das Alter der jüdischen Judas-Säge und des Toldot Jeschu 203 und noch viel eher der Streit der Berge, deren jeder das Recht und Verdienst für sich in.Anspruch nimmt, daß auf ihm die Tora verkündet werde (reiche Lit. bei Aptowitzer MGWJ 1921, 65, 164 f.) Der andere Typus (Panim Acherim, Targ. Scheni, T. J.) zeigt das Gegenteil: Alles lehnt eine schwere Aufgabe ab, nur eines bietet sich an. Welcher dieser beider Typen ist in unserem Fall der Ursprünglichere? Hier setzt das Folklore ein. Es liegt nahe auf die Fabel Jothams‘hinzuweisen, wo auch alle edlen Pflanzen die Herrscherwürde von sich weisen und nur eben wieder der Dornbusch (auch in Est. R., Panim Acherim bietet sich der Dornbusch an) nach ihr greift. Doch auch nähere Parallelen sind hier anzuführen, Parallelen, wo es nicht um Herrscher würde geht, sondern, wie beim Hamangalgen und in der Kreuzesholzsage, um Tod und Leben. Da ist nun der Tod Isfendijars. Rüstern könnte im Zweikampf mit Isfendijar nicht standhalten. Da verrät ihm der Zaubervogel Simurg die einzige Waffe, gegen die Isfendijar nicht gefeit ist: Rüstern schießt einen Pfeil aus Tamariskenholz ins Auge Isfendijars. Isfendijar kann nur im Auge, nur durch diesen Pfeil getötet werden. (Firdousi-Mohl, Le Livre des Rois, IV; 539—549). Die entscheidendste Ähnlichkeit aber mit der Kreuzes holzsage des T. J. zeigt die Baldr-Sage, wie sie im Gylfaginning der Snorri Edda (13. Jhdt.) ausgestaltet vorliegt. Baldr wird durch gefahrdrohende Träume geängstigt. Frigg, seine Mutter, beschwört darauf Feuer, Eisen, Wasser, Erze, Steine, Bäume, Krankheiten, Tiere, Vögel, Schlangen, sie werden Baldr nicht schaden. Den Mistelzweig fand sie für zu jung um ihn zu beeiden. Baldrs Feind Lokki bringt nun dem blinden Hod einen Mistelzweig und überredet ihn, den Zweig in der Richtung nach Baldr zu schießen. Baldr wird vom unbeschworenen Zweig tödlich getroffen. Hier ist die Übereinstimmung schlagend: Frigg unterläßt es den Mistelzweig, Jesus den Krautstengel zu beschwören. Nun aber finden sich dem T. J. entsprechende christliche Fassungen der Kreuzesholzsage, vorzüglich eine ungarische und eine griechische. In der ungarischen beschwört Jesus alle Bäume, nur die Espe nicht, die übrigen brechen unter ihm zusammen, auf der Espe wird er gekreuzigt, seither zittert die Espe. In der griechischen Volkslegende ist es die Steineiche, die so fluchwürdig erscheint, allgemein aber gilt die Espe als von Jesus verfluchter Baum (Folklore Fellows. Communications 106 S. 264 Nr. 2721). Im Lichte dieser mannigfachen Parallelen möchte ich auch das אני אתן את עצמי im Esther Rabba und das אני אתן נפשי im Abba Gorion, mit dem die einzelnen Bäume und Pflanzen ihre Beteuerung einleiten, als Frage fassen: ,,Ich sollte mich dazu hergeben?“ — so daß in allen vier Fassungen sich alle Hölzer weigern als Galgen zu dienen. N^r ein Holz nicht. Dieses eine Holz ist in der Haman-Aggada der Dorn, irn T. J. wohl unter dem Einfluß der von Eisenmenger und Krauß angeführten Aggada (Ketuboth 111b, pal. Pea VII 4,20b): der Wunderkohl. Dieser Abschnitt im T. J. darf als Erwiderung (Parodie] auf die christliche Fassung