Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 201 (sequence 4)
- Language
- German
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Über das Alter der jüdischen Judas-Sage und des Toldot Jeschu 201 die Juden vor Reibungen mit den Christen zu schützen. Ibn Hazm (gest. 1064)1, der bedeutende Polemiker des Islams, Zeit- und Streitgenosse Samuel Hanagids rügt an den Juden folgendes: Ihre Weisen sagen, und wie ich gehört habe, erwähnen es auch ihre Gelehrten ohne ihnen zu widersprechen, daß ihre Weisen, von welchen sie ihre Religion, das Thaurat und die prophetischen Bücher überkommen haben, das Uebereinkommen trafen, den Beniaminiten Paulus zu bestechen und ihn zu beauftragen, die Religion Jesu ans Tageslicht zu bringen, seine Genossen irre zu führen, sie die Göttlichkeit Jesu zu lehren. Sie sollten zu ihm gesagt haben: Wir nehmen die Sünde auf uns, worauf er auch ihrem Aufträge Folge geleistet und so veranstaltet haben soll, daß jene Religion hervortrat (Kobaks Jeschurun 1875, VIII. 99, arabischer Text 87, 88). Hier haben vir die erste datierbare Fassung eines wesentlichen Bestandteiles des T. J. 11. z. eben aus Spanien, wo ein Hinweis auf T. J. vermißt wurde. (Krauß, Leben 14). Zweifellos also wurde im 11. Jhdt. dem Apostel Paulus jüdischerseits das Verdienst zugeschrieben, er habe das Judentum durch die Abtrennung der Christen geschützt. III. Polemik und Folklore. Der Kohlstengel. Als Triebkräfte, die an der Schaffung des T. J. mitwirkten, habe ich Polemik und Folklore bezeichnet; genauer genommen ist T. J. eine polemische Schrift, welche Stoff und Farbe oft dem Folklore entlehnt. Krauß (1932, 599) nimmt noch ,,etwas, wie eine geschichtliche Überlieferung“ hinzu. Er glaubt an ,,eine in jüdischen Kreisen erhalten gebliebene Überlieferung, wie wir sie ja in dem einen oder anderen Punkte den Toldot־-Schreibern zugestehen müssen“ (Leben, 157), glaubt an ,,schätzbare Nachrichten, die uns im Toldot aufbewahit sind“ (Leben, 195). Als eine solche durch das T. J. erhaltene geschichtliche Tatsache sieht er es an, daß der Leichnam Jesu von seinen Schülern gestöhlen wurde (169). Eine andere ,,schätzbare Nachricht“ wäre, daß an zwei Marmorsäulen des Tempels zwei kupferne Hunde 1 Über ihn siehe Enzyklopädie des Islam s. v. 11, 409, Goldziher, in Kobaks Jeschurun, 1875, VIII 76—104, ZDMG XL11, 612 ff, Steinschneider, Polem. Lit., 22 f., 99 ff.