Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur jüdischen Altertumskunde
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 18)
- Language
- German
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Zur jüdischen Altertumskunde 197 In einer Abhandlung über das ,,Tannaitische Grenzverzeichnis"1 (das ich der Regierungszeit Herödes״ zuschreibe) habe ich auf einen der ostjordanischen Grenzpunkte (den in der nordöstlichen Gegend des Landes gelegenen Punkt 24) mit besonderem Nachdruck hingewiesen. Entgegen der früheren Annahme, es handelte sich um den biblischen Ort קנת, konnte auf Grund der handschriftlichen Überlieferung festgestellt werden, daß der Name nicht Kenat, sondern ייבקת oder יונקת lautete. Ich vermute — so schrieb ich schon dort —, daß in ihm der Name einer heidnischen Kultstätte steckt. Am nächsten liegt es, anes-Sanamenzu denken, wo im Altertum mehrere Götzentempel standen. Außer einem Fortunatempel (der aber für den Namen יינקת nicht in Betracht kommen kann) werden reichverzierte Grabtürme verzeichnet. Der heutige arabische Name ,,Zwei Götzen" weist gleichfalls auf eine heidnische Kultstätte hin. Wichtig aber ist, daß die mittelalterliche jüdische Tradition (durch Saadja Gaon vertreten) das biblische Aschtarot Karnajim hier lokalisierte2. Diese Gleichsetzung muß ihren Grund haben! A. ,,Karnajim" bedeutet: Aschtarte mit den b e i de 11 Hörnern. .Hier, in es-Sanamen muß ein Götzenbild mit zwei Hörnern gestanden haben, weshalb man auf diesen Ort den alten biblischen Namen übertrug. Nichts liegt näher, als an ein Standbild der Isis zu denken, die sehr oft als Kuh, oder als Frau mit Kuh köpf, oder mindestens mit einem Kopfschmuck, der aus Kuhhörnern mit der Sonnenscheibe dazwischen besteht, dargestellt wird3. Dieses oder ein ähnliches Standbild der Isis, den palästinensischen Juden bekannt, veranlaßte sie, Ascntarot Karnajim in es-Sanamen zu suchen. Der alte hellenistische Name der Kultstätte aber war Nysa, den die palästinensischen Juden nicht aussprechen mochten4 und ihr daher einen verunglimpfenden 1 Erschien in HUGA 1528 wie auch als Heft 1 der ״Palästina- Studien“ II. Diese Stelle S. 12 f. ( 208 f.). 2 Saadjas Pentateuch-Übersetzung und Komm. ed. Derenbourg S. 21 als Variante verzeichnet. Sonst vgl. noch mein oben S. 195 Anm. 11 angeführtes Buch, S. 80 s. v. עשתרות. 8 Vgl. oben S. 194 Anm. 2. 4 Die diesbezüglichen Stellen aus der talmudischen Literatur.besprach ich in ZDPV 1912, S. 41 f.j