Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 77 (1933)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum
- Date
- 1933-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 5)
- Language
- German
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- Homer 2× ep/1025156
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176 Hans Lewy Problematik der gewaltsamen Annexion eines Landes, die sich bei keinem orientalischen Volk des Altertums findet, liegt dem palästinensischen Bodenstreit zu Grunde. Das umfangreichste griechische Dokument dieser Gattung findet sich in einem historischen Kommentar zum homerischen Schiffskatalog (Scholion zur Ilias Ven. B 494): ,,So schön und großartig war der Schiffskatalog, daß sogar die griechischen Städte im Streit die Verse des Homer verwandten. Homer verschaffte den Aetolern Kalydon, als sie darum mit den Aeolern stritten, da er diese Stadt bei der Aufzählung der Aetoler erwähnte (Z? 638 f.). Die Männer von Abydos nahmen sich Sest'os von den Athenern wegen folgender Verse ■(ff 836). Den Milesiern genügten, als sie sich mit den Bewohnern von Priene um Mykale stritten, zum Sieg folgende Verse (B 8671). Solon verschaffte den Athenern Salamis wegen des Verses: ,,Aias führte aus Salamis 12 Schiffe“ (B 557), wobei er (Solon) den Vers einfügte: ־,Er legte diese dorthin, wo die Truppen der Athener standen‘, obwohl damals die .Megarer die Insel behaupteten.“1 Betrachten wir kurz den zuletzt erwähnten Rechtsfall, weil er in der griechischen Literatur am ausführlichsten behandelt wird und für unsere Frage besonders instruktiv ist. Daß Solon im Kampf zwischen Megara und Athen um die Insel Salamis einen Vers in den homerischen Schiffskatalog eigenmächtig einschob, um damit die Abhängigkeit der Insel von Athen seit mythischen Zeiten zu beweisen und, wie es einmal wörtlich heißt2 — ,,Salamis nicht nur mit Gewalt, sondern kraft Rechts erworben zu haben schiene“, wird vielfach berichtet und 1 Natürlich hat der Grammatiker zum Lobe Homers, die politische Bedeutung seines Dichters maßlos übertrieben. Überhaupt soll hier nicht der Eindruck entstehen, als würde Homer nach dem 3V|uster der Bibel zu einer Offenbarungsschrift gemacht werden, wie auch der naive Gedanke abzuweisen ist, daß je eines dieser mythischen Argumente einen Konflikt hervorrufen oder entscheiden konnte. Juden wie Griechen gebrauchten ihre auf verschiedenartige Weise sanktionierten Dokumente aus. Gründen der Staatsraison und zu reinen Prestige zwecken. Uns interessiert jedoch nicht die wahre Ursache der verschiedenen politischen Konflikte oder die reale Wirkung derartiger pseudögeschichtlieher Argumentationen — darüber mag der Historiker Auskunft geben —, sondern lediglich deren ,,Ideologie6‘. 2 Diog. Laert. I 48. . -: ,; .