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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1933-01-01 · Heft 3 · p. Seite 175

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
77 (1933)
Issue
Heft 3
Article
Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum
Date
1933-01-01
Page
Seite 175 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Ein Rechtsstreit um den Boden Palästinas im Altertum 175 der aus dem Mythos abgeleitet werden konnte, das moralische Gewicht eines qualitativ unübertrefflichen Zeugnisses1. Das Gegenstück zur biblischen Völkertafel bildet im griechischen Epos der sog. Schiffskatalog (Ilias B 494 f.), d. h. die Aufzählung der griechischen Stämme und Fürsten, die am Zuge gegen Troja teilnahmen, ihrer Schiffszahl und Wohnsitze. Nun erscheinen in der griechischen politischen Literatur Rechtsdebatten der gleichen Art, wie sie sich im Anschluß an die biblische Völkertafel entwickelt hatten. Griechische Stämme verteidigen ihre Landansprüche durch Hinweis auf die Angaben des Schiffskataloges, werten also Homer ebenso wie die Kontrahenten im palästinensischen Territorialstreit die Bibel als politische Rechtsurkunde. Der Musterung der Dokumente, von denen hier nur Parallelfälle zum israelitisch-kanaanäischen Bodenstreit berücksichtigt werden, sei eine kurze moderne Definition der griechischen Rechts- Vorstellungen über territorialen Besitz und Annexion vorangestellt: ״Die Griechen faßten die territoriale Hoheit als eine Form des Bodeneigentums auf, sodaß auch die völkerrechtlichen Gebiets- Streitigkeiten als ein Eigentumsprozeß geführt wurden. Es war aber ein Postulat des griechischen Bodenrechts, daß die usucapio keinen Erwerbstitel für die Immobilien bilden kann. Ein Possessor muß also imstande sein, gegebenenfalls den rechtmäßigen Eigentumserwerb nachzuweisen. Ein Gewaltakt kann aber das Recht nicht begründen; die Eroberung an sich wurde also nicht als Rechtstitel aufgefaßt, wenn sie nicht als Vergeltung, als Repressalie erschien.“2 Eben diese griechische Auffassung von der juristischen 1 Auf dieser Anschauung beruhen auch die Motivierungen politischer Freundschaftsbündnisse der hellenistischen Mächte durch angeblich urzeitliehe Stammesverwandtschaft, so der Tyrier mit den Delphiern, der Cilicier mit den Argivern, der Samniten mit den Spartanern u. a. (s. Bickermann, Berl. Philol. Wochenschrift 1926, 905), sowie auch der Juden mit den Spartanern (s. Ed. Meyer, Christentum II 31). Ähnlich wird auch die Freundschaft der Juden mit den Pergamenern begründet (Jos. XIV 255 ״wegen der Freundschaft ihrer Vorfahren z.Z. Abrahams, des Urvaters aller Hebräer“), wo eine unbekannte pseudo-mythologische Tradition zugrunde liegt. 2 S. E. Bickermann u. Joh. Sykutris, Speusipps Brief an König Philipp, Bericht der sächs. Akad. d. Wiss. phil.-hist. Klasse 1928, S. 27.

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